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Dec 15, 2019 Last Updated 8:30 AM, Nov 20, 2019

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Thiemes Pflege
Schewior-Popp, Susanne et al. (Hrsg.)
Thiemes Pflege
Das Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung
Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2017, 13., aktualisierte und erw. Aufl., 1480 S., 1892 Abb., 74,99 €, ISBN 9783132402935 (großes Format); 9783132402942 (kleines Format)
 
 
Die 13. Auflage der alten „Juchli“ – der Rezensent ist mit der 1. Auflage in den Beruf eingestiegen – liegt vor. Die Neuauflage wurde aktualisiert und erweitert. Zunächst ist festzustellen, dass das seit einigen Auflagen gewaltig dicke Buch etwas schlanker wirkt; laut Verlagsangabe wurde tatsächlich das Gewicht wieder unter 3 kg gedrückt. Es deutet aber nichts darauf hin, dass der Inhalt und die Bilder einmal gründlich überprüft worden wären – die aus Sicht des Rezensenten spätestens seit der 5. Auflage komplett sinnfreie Bilderserie zum Beziehen eines Bettes mit dem korrekten Legen der Ecken des Lakens findet sich auch in der aktuellen Auflage wieder, womit sich die Frage aufdrängt, wann die Herausgeber das letzte Mal im Krankenhaus ein Bett bezogen haben.
 
Zu dem schlankeren Auftreten des Buches tragen bei, dass, wie schon in der 12. Auflage, die 2-spaltige Darstellung der 11. Auflage aufgegeben, die Schrift verkleinert und ein etwas dünneres Papier gewählt wurde. Die Lesbarkeit wird damit nicht besser, was insofern vielleicht unschädlich ist, als das Lehr- und Lernbuch sich ja an junge Menschen wendet – ein älterer Mensch tut sich da allerdings etwas schwer. Das Rezensionsexemplar hat nachweislich 1480 Seiten, während in den Verlagsangaben 1536 Seiten angegeben werden.
 
Bei einem 1500 Seiten starken Vielautorenbuch würde die Besprechung jedes einzelnen Kapitels nicht nur den Rahmen einer Rezension sprengen, diese würde auch erst kurz vor Erscheinen der nächsten Auflage erstellt sein; zudem würden viele Rezensenten mitwirken müssen, da keine einzelner über die notwendige Kompetenz verfügt. Deshalb sind die Anmerkungen notwendig selektiv.
 

Das zweite Inhaltsverzeichnis enthält leider nicht mehr die Kapitelgliederung. Das erhöht den Suchaufwand. Die Struktur des Lehrbuches ist ansonsten beibehalten worden.

• Der erste Teil ist den Grundlagen des Pflegeberufs gewidmet. Es finden sich hier Ausführungen zu der Entwicklung des Pflegeberufes und der Ausbildung sowie zu den Aufgaben und Arbeitsfeldern der Pflege. Pflegetheorien, Pflegewissenschaft und Pflegeforschung sind Gegenstand eines Kapitels, ebenso Organisation, Management und Recht. Dem Thema „Ethik“ ist – angemessen – ein eigenes Kapitel gewidmet. Ausführungen zur menschlichen Entwicklung und Sozialisation, zu Gesundheit und Krankheit, zu Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention sowie zu den Grundlagen der Hygiene schließen den ersten Teil ab.

• Die ATLs sind Gegenstand des zweiten Teils des Buches. Am Anfang des Buches findet sich nach dem Vorwort der Herausgeber und Geleitworten von Franz Wagner, dem Bundesgeschäftsführer des DBfK, und Carsten Drude, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, ein Plädoyer für die Aktivitäten des täglichen Lebens als „Ordnungsstruktur im Kontext eines ganzheitlichen Menschenbildes“ aus der Feder von Liliane Juchli, der Erstherausgeberin des Lehrbuches, und Ursula Geißner, zeitweise Mitherausgeberin.

• Die Bilder zum Mobilisieren von Patienten mit Bewegungseinschränkungen aus der 11. Auflage wurden zwar ersetzt. Die jetzt vorhandenen Bilder sind aber auch nicht wirklich gut. Man könnte z. B. beim Rückenkolleg der BGW in Hamburg deutlich bessere Abbildungen bekommen.

• Die bereits in der Rezension der 11. Auflage angemahnten Ausführungen zum Expertenstandard Dekubitusprophylaxe fehlen in dem Kapitel „Dekubitusprophylaxe“ nach wie vor. Auch im Sachverzeichnis erscheint das Stichwort „Expertenstandard“ nur im Kontext von Harninkontinenz und Schmerzmanagement – in einem Lehrbuch für Auszubildende nicht wirklich verständlich.

• Der dritte Teil des Lehrbuches ist überschrieben mit „Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken“. Neben Ausführungen zu Infusionen, Transfusionen, Biopsien, Injektionen, Punktionen und zur Endoskopie werden hier die Grundlagen der Medikamentenlehre und des Umgehens mit Medikamenten vermittelt. Dem Wundmanagement ist ein eigener Abschnitt gewidmet, ebenso den pflegerisch relevanten Laborparametern (wobei sich hier die pflegerische Relevanz nicht immer erschließt) und bildgebenden Verfahren.

• In den Ausführungen zur Transfusion wäre es wünschenswert, wenn etwas expliziter auf die Regularien des Transfusionsgesetzes eingegangen würde – z. B., dass die Transfusion eine absolute ärztliche Vorbehaltstätigkeit ist, die nicht delegierbar ist. Ebenso sollte, da es diesbezüglich immer wieder Irritationen gibt, herausgestellt werden, worin der ärztliche Vorbehalt besteht – nämlich in der Identifizierung des Patienten und nicht im Aufdrehen der Rollerklemme am Transfusionssystem. Auch wäre deutlich zu machen, dass bis zu sechs Erythrozyten-Konzentrate in einem bestimmten Zeitfenster über ein System verabreicht werden dürfen, wenn entsprechende sterile Verschlusssysteme für EK-Beutel vorhanden sind.

• Gegenstand des vierten Teils ist die Gesundheits- und Krankenpflege bei bestimmten Patientengruppen. Das letzte Kapitel ist der Intensivpflege gewidmet. Die Ausführungen in dem Kapitel über Intensivpflege sind angesichts der Tatsache, dass es zu diesem Thema eigene dicke Lehrbücher gibt, notwendig verkürzt.
 

An dem letzten Beispiel wird das in den Rezensionen der vorhergehenden Auflagen angesprochene Grundproblem des Lehrbuches besonders deutlich. Es ist die Frage, ob bei zunehmendem Wissensstand eine eierlegende Wollmilchsau wirklich das geeignete Medium ist. Ein grundsätzlich begrenzter Raum und zunehmende Kenntnisse führen notwendig dazu, dass von immer mehr immer weniger und schließlich eben von allem nichts vermittelt wird.
 
Eine Rezension von Paul-Werner Schreiner

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