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Who was who in nursing history: RIEDERER, Viola
RIEDERER, Viola
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 237-239.
 

Biographie

Auf Anregung der Deut-schen Bischofskonfe-renz wurde 1959 als Alternative zur Gewerk-schaft ÖTV der Freie katholische Berufsver-band für Pflegeberufe (heute: Katholischer Be-rufsverband für Pflege-berufe e.V.) gegründet. Dieser wollte die bis dahin nicht organisierten „freien“ Krankenschwe-stern und Krankenpfleger, die nicht ordensgebunden und in keine Schwesternschaft (z.B. die „Caritas-Schwesternschaft“, die 1938 als „Reichsgemein-schaft freier Caritasschwestern“ gegründet worden war) einzutreten bereit waren, unter der Devise eines christlichen Apostolates zusammenführen und ihnen die notwendige Rückendeckung geben. Zum Aufbau und zur Leitung des neuen Berufs-verbandes mit Sitz in Mainz (seit Februar 2001: Regensburg) berief das von Bernhard Rüther (1913-1980)è geleitete Referat Krankenfürsorge des Deutschen Caritasverbandes (DCV) in Freiburg die Kinderkrankenschwester und Ärztin Viola Riederer Freiin von Paar zu Schönau, die dieser Aufgabe 16 Jahre lang mit großem Engagement nachkam. Sie wurde am 7. Juli 1903 als viertes und jüngstes Kind des Diplomaten und Gutsbesitzers Eduard Rie-derer Freiherr von Paar zu Schönau, und seiner Frau Therese, geborene Gräfin von Tauffkirchen-Gutten-berg, in Schönau (Niederbayern) geboren. Durch den zum Schloss gehörenden Hellerhof und seine Bewohner lernte Viola auch das Leben der einfachen Dorfbewohner kennen. Zur Versorgung Kranker hat-te ihre Mutter eine Krankenpflegestation eingerich-tet, die von einer Rotkreuzschwester betreut wurde. Während der Wintermonate lebte die Familie von Riederer in München, wo Viola dann auch zur Schu-le ging. Nachdem sie die Mittlere Reife abgelegt hatte, wollte sie Krankenschwester werden, was ihr Vater aber entschieden ablehnte. Erst im Alter von 24 Jahren setzte Viola sich durch: am 1. Oktober 1927 trat sie im Städtischen Kranken-haus in München-Schwabing in die Kinderkranken-pflegeschule ein. Im Anschluss an die zweijährige Ausbildung entschloss sie sich auf Anregung einer Mitschülerin Medizin zu studieren. Nach nur einem Jahr Schulbesuch in München legte sie am 10. April 1930 in Würzburg das Abitur ab, besuchte an-schließend vom Sommersemester 1930 bis zum Sommersemester 1935 die Ludwig-Maximilians-Universität in München und promovierte 1936 zum „Dr. med.“ mit einer Untersuchung „Über die Ra-chitis in München im Jahre 1935“. Nach Abschluss ihres Medizinalpraktikantenjahres erhielt sie am 26. Februar 1937 ihre Approbation als Arzt. Riederer hatte in München die Krankenschwester Barbara Borsinger kennen gelernt, die Gründerin und Leiterin des Mütter- und Säuglingsheimes Genf – Kinderkrankenpflegerinnenschule mit Klinik, die ihr ab 1. April 1938 eine Stelle anbot. Mehr als zwanzig Jahre widmete sie sich dort der Ausbildung von Kinderkrankenschwestern, wobei sie sich insbe-sondere für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und dem Krankenpflege-personal einsetzte. Als Herausgeberin der im Ernst Reinhardt Verlag in Basel erscheinenden Schriften-reihe „Reinhardts naturwissenschaftliche Kompen-dien“ legte sie 1938 das Buch „Vererbungslehre für Studierende und zum Selbstunterricht. Grundriß, Kurzes Repertorium, Prüfungsfragen und Antworten (= Reinhardts naturwissenschaftliche Kompendien, Bd. 9)“ (5. Auflage 1946) vor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges musste von Riederer die Schweiz verlassen, da sie von den Na-tionalsozialisten in Pfarrkirchen, in der Nähe ihres Geburtsortes, „dienstverpflichtet“ worden war. Einer Fehldiagnose – eine diagnostizierte Tuberku-lose stellte sich als Lungenentzündung heraus - hatte sie es zu verdanken, dass sie im Dezember 1940 wieder an ihren früheren Arbeitsplatz in der Schweiz zurückkehren konnte. Zum 1. Januar 1957 wurde das Kinderkrankenhaus an die sogenannten „Menzinger Schwestern“ verkauft, die 1844 von Anna Maria Heimgartner (1822-1863)è und Anton Crispin Flo-rintöni (1808-1865)è als „Institut der Lehrschwe-stern vom Heiligen Kreuz“ in Menzingen gegründet worden waren. Damals schrieb sie ein in der Kran-kenpflegeausbildung vielbeachtetes Lehrbuch: „Mo-derne Säuglings-Ernährung. Ernährung und Ernäh-rungsphysiologie des gesunden und kranken Säug-lings und Kleinkindes für Schwesternschulen“ (Ver-lag Hans Huber, Bern und Stuttgart 1961; 3. Auflage 1969). Am 3. November 1959 wurde von Riederer in Würz-burg zur Ersten Vorsitzenden des Freien katholi-schen Berufsverbandes für Krankenpflege gewählt. Der Wahlspruch für ihre Arbeit lautete bis an ihr Lebensende: „Gott hilft dir – aber rudern musst du selbst!“. Über viele Jahre hinweg vertrat von Rie-derer ihren Verband in zahlreichen nationalen und internationalen Verbänden und Gremien zur Kran-kenpflege, so beispielsweise in der Arbeitsgemein-schaft Deutscher Schwesternverbände (ADS), in der Katholischen Arbeitsgemeinschaft der Krankenpfle-ge in Deutschland (KAKD) und im CICIAMS (Brüssel), dem katholischen Weltbund für Kranken-pflege (Comité International Catholique des Infir-miéres et Assistantes Médico Sociales). Ferner war sie stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Fort-bildungsinstitut für freie katholische Krankenschwe-stern“, der sich zur Fortbildung speziell für die freien katholischen Krankenschwestern und Kran-kenpfleger am 24. September 1965 in Freiburg auf Anregung des DCV konstituiert hatte. Von 1960 bis 1973 veröffentlichte von Riederer regelmäßig die zweimonatlich erscheinenden „Mitteilungen des Ka-tholischen Berufsverbandes“, in denen sie konti-nuierlich von der Entwicklung und dem Geschehen innerhalb und außerhalb des Verbandes berichtete. Ein besonderes Anliegen war ihr die Fort- und Wie-terbildung des Pflegepersonals sowie die Sorge um den Kranken aus christlicher Perspektive. 1975, inzwischen 71-jährig, legte sie ihr Amt nieder, ging nach Schönau und wurde aktives Mitglied im Pfarrgemeinderat, Referentin im katholischen Kreis-bildungswerk und hielt darüber hinaus regelmäßig Kurse für Krankenhaus-Besuchsdienste und „Be-gleitung im Krankheits- und Sterbefall“ ab. 1992 zog sie in das Caritas-Altenheim St. Nikolaus in Eg-genfelden, wo sie am 9. April 1996 starb. In der Pfarrkirche Schönau fand am 12. April 1996 das Requiem mit anschließender Beerdigung statt. Die römisch-katholische Kirche ehrte sie mit dem päpst-lichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“; der Deut-sche Caritasverband verlieh ihr am 12. November 1971 die „Goldene Ehrennadel“.

Literatur

Adelhardt, Margarete / Schmitz, Heribert: [Nachruf] Frau Dr. Viola Riederer von Paar zu Schönau. In: Mitteilungen für Pflegeberufe, 2/1996, Seite 4. Bäuml, Ingrid: Eine wahrhaft starke Frau – wir haben sie gefunden! Dr. med. Viola Riederer Freiin von Paar zu Schönau. In: Mitteilungen für Pflegeberufe, 2/1996, Seite 25-29. Berger, Manfred: Ein Leben für die Pflege. Violanta Riederer, Freiin von Paar zu Schönau (1903-1996). In: Caritas-Kalender, 69 (1998), Seite 15. Deutscher Caritsverband – Archiv – Freiburg: Schriftliche Mitteilungen an den Verfasser vom 15. Februar 2001 und 18. Juni 2001. Katholischer Berufsverband für Pflegeberufe e.V., Mainz [jetzt: Regensburg]: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 2. Februar 2001. Kolling, Hubert: „Gott hilft Dir, aber rudern musst Du selbst!“ – Dr. Viola Riederer Freiin von Paar zu Schönau (1903-1966). Vortrag, gehalten beim 5. Internationalen Kongress zur Geschichte der Pflege in Bochum am 14. März 2002. Kolling, Hubert: Viola Riederer Freiin von Paar Schönau. Die erste Vorsitzende des Katholischen Berufsverbandes für Pflegeberufe. In: Krankendienst. Zeitschrift für katholische Krankenhäuser, Sozialstationen und Rehaeinrichtungen 76 (2003) 1, Seite 11-17. Ludwig-Maximilians-Universität – Universitätsarchiv – München: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 14. Februar 2001. [Nachruf] Dr. med. Viola Riederer Freiin von Paar zu Schönau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. April 1996. Riederer Freiherr von Paar, Peter (Schönau): Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 6. Juni 2001. Schlächter, Margit: Frau Dr. Viola von Riederer zum 65. Geburtstag. In: Mitteilungsblatt des Freien Katholischen Berufsverbandes für Krankenpflege, Heft 3, Mai-Juni 1968, Seite 11-12. Bildquelle: Caritas-Kalender, 69 (1998), Seite 15.

RIEDERER, Viola

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 237-239

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=691

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