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Who was who in nursing history: MAY geb. BEYER, Sophie Auguste
MAY geb. BEYER, Sophie Auguste
Artikel von: H.-P. Wolff
Erschienen in Band 3, Seite(n) 196-198.
 

Biographie

Die Leipziger Bezirkshebamme wurde am 8. Sep-tember 1866 in Pegau als Tochter des Weißbäcker-meisters Friedrich Eduard B. und seiner Ehefrau Rosine Emma als sechstes von acht Kindern ge-boren. Sie war evangelisch-lutherischer Konfession. Über Kindheit und Jugendzeit liegen keine In-formationen vor. Vom 1. Januar bis 30. Juni 1891 absolvierte Auguste Beyer die Ausbildung zur Hebamme an der Lehr-anstalt des Trierschen Institutes in Leipzig. Das Institut, mit einer geburtshilfliche Klinik verbunden, verdankte seine Entstehung 1810 vor allem der Stif-tung eines Grundstücks im Werte von 60.000 Talern von Rahel Amalie Auguste Trier (1731-1806). 1827 zog das Institut in den Grimmaschen Steinweg um und erhielt 1852 einen Neubau im Leipziger Univer-sitätsviertel. Grundlage der Ausbildung von Auguste Beyer war die 4. Auflage des amtlichen, d.h. vom Königlich Sächsischen Ministerium des Innern autorisierten „Lehrbuch für Hebammen“ von Christian Gerhard Leopold (1846-1911), Direktor der Königl. Frauen-klinik in Dresden, und Karl Sigismund Franz Credé (1819-1892), Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Leipzig. Gemäß der sächsischen Hebammen-ordnung von 1872 hatte Auguste Beyer, um zur Aus-bildung zugelassen zu werden, ein Zeugnis des Geistlichen ihres Wohnortes über Alter und Leu-mund einzureichen, außerdem ein Befähigungszeug-nis des zuständigen Leipziger Stadtbezirksarztes, das ihre Eignung zum Beruf bestätigte. Dazu wurde ge-fordert, dass die Bewerberin von gesundem, nicht schwächlichen Körperbau war, mit ungeschwächten Sinnen und gesunden, gehörig gebildeten und nicht zu großen Händen ausgestattet sowie in der Lage sein musste, ein Diktat deutlich und ohne grobe Ver-stöße gegen die Regeln der Orthographie zu schrei-ben. Ein Jahr später wurden die Aufnahmekriterien noch verschärft, indem u.a. die Bewerberin auch gute Fähigkeiten im Rechnen und im Umgang mit Maßen und Gewichten nachzuweisen hatte. Auguste Beyer legte am 29. Juni 1891 die Hebam-menprüfung am Trierschen Institut mit „I. Zen-sur“ab. Ihr Zeugnis besagte, dass sie den Hebam-menberuf in Sachsen nur nach behördlicher Anstel-lung und Verpflichtung ausüben durfte. Behördli-cherseits wurde also die Niederlassung der Hebam-men gesteuert, um eine Überfüllung des Berufs und damit unzureichende Einkünfte zu verhindern. Auguste Beyer blieb noch in ihrer Ausbildungsstätte und arbeitete bis Ende des Jahres im Trierschen Institut als Unterhebamme. Am 8. April 1893 heiratete Auguste Beyer den Bahnarbeiter Carl Reinhold May. Erst zwei Jahre nach ihrer staatlichen Prüfung wurde sie am 8. Juli 1893 als Stadtbezirkshebamme in Leipzig vom Rat der Stadt verpflichtet. Sie wohnte Thomasiusstraße 17 und durfte ausschließlich im Bezirk der Innen-stadt und des Waldstraßenviertels praktizieren, in dem ihre Wohnung lag. Diese Verpflichtung zur Stadtbezirkshebamme wurde durch eine amtliche Nachricht in der örtlichen Presse der Bürgerschaft bekannt gemacht. Die Bezirkshebammen waren verpflichtet sich im Krankheitsfall oder wenn sie zu mehreren Entbin-dungen gleichzeitig gerufen wurden gegenseitig zu vertreten. Mit Genehmigung des Rates der Stadt durften ausnahmsweise Schwangere auch in der Wohnung der Hebamme entbunden werden. In der etwa 80 qm großen Mayschen Wohnung für drei Er-wachsene und drei Kinder diente eine zweite, zweifenstrige Stube von 18 qm zur Aufnahme von Schwangeren. Auguste May arbeitete im Auftrage der Stadt Leip-zig als Bezirkshebamme bis 1932 und leitete ins-gesamt 4.481 Entbindungen, d.h. etwa 100 jährlich. In den ersten 9 Tagen nach der Entbindung mussten die Wöchnerinnen zweimal täglich besucht werden. Um 1900 betrug die durchschnittliche Einnahme pro Entbindung etwa 15.- Mark. Die Mindesttaxe für Wochenbesuche war zu dieser Zeit auf 50 Pfennige bei Tage bzw. 1.20 M bei Nacht festgesetzt. Im Laufe der Jahre verschob sich der Charakter ihrer Klientel von zunächst überwiegend Frauen aus ein-kommensschwachen Gruppen hin zu solchen aus überwiegend ökonomisch besser gestellten. Das hing mit der Veränderung der innerstädtischen Einwoh-nerschaft Leipzigs auf dem Weg zu einer modernen Großstadt zusammen. Etwa zehn Prozent der von ihr geleiteten Geburten fanden in Privatkliniken statt. Bis 1899 wurde Auguste May selbst drei Mal Mutter von Töchtern. Zwischen 1895 und 1920 lebte ihre Schwester Emilie Beyer mit im Haushalt. Sie war von Beruf Wochenpflegerin, d.h. unterstützte ihre Schwester Auguste sowohl beruflich als auch in der Betreuung der eigenen Kinder. In ihrer gesamten Berufstätigkeit nahm sie nur einmal im Jahre 1925 einen vierwöchigen Urlaub in Anspruch. Sonst blieb sie ständig über ihre Wohnung Tag und Nacht er-reichbar. Dass sich Auguste May außerdem berufs-politisch betätigte, belegt ihre Funktion als stellvertretende Kassiererin des Leipziger Hebammenvereins. Seit Ende der 20er Jahre verwitwet, ließ sie sich zum 1. Januar 1932 in den Ruhestand versetzen. Sie erhielt eine Ruhestandsunterstützung von der Stadt in Höhe von 900.- RM jährlich. Das waren etwa 500,- RM weniger als ihr letztes berufliches Jahreseinkommen. Die Unterstützung war in der wirtschaftlichen Kri-senzeit durch Notverordnung herabgesetzt worden. Erst 1941 hob der NS-Staat diese Notverordnung aus der „Systemzeit“ auf, sodass die Unterstützung auf 1.200,- RM im Jahr anstieg. Sophie Auguste May starb in Leipzig am 5. April 1942. Nach einer Beurteilung ihres Bezirksarztes wurde sie als eine der besten und zuverlässigsten Hebam-men geschätzt. Fleiß, Ausdauer und Gewissenhaftig-keit gehörten zu ihren hervorstechenden Eigen-schaften. Freizeit und Privatleben kannte sie kaum, Privat- und Berufsleben waren nicht zu trennen. Sie gehörte zur kleinen Gruppe gut verdienender Heb-ammen. Ihr Einkommen entsprach um 1900 etwa dem eines Facharbeiters und hätte zur Ernährung ihrer Familie ausgereicht. Der durch Numerus clau-sus in Sachsen begrenzte Hebammenstand war einer der wenigen Berufe dieser Zeit, in denen Frauen eigenverantwortlich arbeiten konnten.

Literatur

Die Hebamme im Spiegel der Hebammenbücher. Ausstellungsführer der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, 1985. Credé, Carl und Leopold, Gerhard: Lehrbuch der Hebammenkunst. Im Auftrage des Königlich Sächsischen Ministerium des Innern bearbeitet (4. Aufl.). Hirzel, Leipzig 1886. Krautheim, Jens: Die Leipziger Hebamme Sophie Auguste May 1866-1942. Ein Beitrag zur Geschichte des sächsischen Hebammenwesens. Unveröffentl. Med. Dissertation, Universität Leipzig 2000. Liebold, Cornelia: Hebammen in Leipzig. Zur Sozialgeschichte einer weiblichen Berufsgruppe im 19. Jahrhundert. In: Schötz, Susanne (Hrsg.): Frauenalltag in Leipzig. Weibliche Lebenszusammenhänge im 19. und 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1997, Seite 47-78.

MAY geb. BEYER, Sophie Auguste

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H.-P. Wolff. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H.-P. Wolff, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 196-198

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=664

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