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Who was who in nursing history: BUNSEN, Frances Helen von
BUNSEN, Frances Helen von
Artikel von: Karin Wittneben
Erschienen in Band 4, Seite(n) 62-66.
 

Biographie

In einem Kommentar zur Neuübersetzung der von Florence Nightingale (1820-1910) vorgelegten „Notes on Nursing“ vermuten die Übersetzerin und der Übersetzer, dass eine Übersetzungsversion der Notes ins Deutsche von Franzisca Helena Bunsen stammt (Schweikardt / Schulze-Jaschok 2005, S. 243). Diese Vermutung lässt sich festigen. Weiterführend in dieser Frage sind vor allem die beiden von Hare (1879) herausgegebenen Bände „The Life and Letters of Frances Baroness Bunsen“, die 1890 in deutscher Übersetzung bereits in sechster Auflage unter dem Titel „Freifrau von Bunsen. Ein Lebensbild, aus ihren Briefen zusammengestellt“ erschienen. Die deutsche Ausgabe besorgte Hans Tharau. In den beiden, für die Neuübersetzung nicht gesichteten Bänden wird vor allem das Leben der Mutter Frances Helen Bunsens, vermittelt über deren Briefe, ausgebreitet. Die umfängliche Lebensdarstellung der Mutter gibt ebenfalls Aufschluss über das Leben und die Lebensweise der Frances Helen Bunsen, die als ledige Frau im Haushalt der Eltern und zuletzt dem der verwitweten Mutter lebte. Eine von Foerster 1998/99 als Dissertation vorgelegte biographische Studie über den Vater, die für die Neuübersetzung bereits befragt wurde, enthält als ein wichtiges Nebenprodukt Lebensdaten über die Familienangehörigen, vor allem aber, der Fragestellung entsprechend, eine weitläufige Analyse des politischen, religiösen und wissenschaftlichen Denkens und Handelns des Familienoberhauptes.

Frances Helen Bunsen wurde am 1. Juni 1826 als siebtes Kind von Christian Karl Josias Bunsen (1791-1860) und seiner Ehefrau Frances, geb. Waddington (1791-1876), einer vermögenden und tief gläubigen Engländerin, in Rom geboren und nach ihrer englischen Patentante Lady Frances Sandon und der deutschen Halbschwester ihres Vater, Helene Müller, benannt (Bd. I, S. 261). Frances Helen (bei Foerster 2001, S. 305: Franzisca Helena) hatte elf Geschwister. Zwei Geschwister verstarben bereits im Säuglingsalter. Der Vater versah in Rom seine erste Station im diplomatischen Dienst als Geschäftsträger der preußischen Gesandtschaft. Diesem ersten Einsatz folgte noch eine Reihe von Entsendungen. Erst gegen Ende seines Lebens, 1858, wurde er geadelt. Zuletzt lebte er mit seiner Familie als Schriftsteller und Privatgelehrter in Bonn. Die Mutter, jetzt Freifrau von Bunsen, blieb nach dem Tod des Ehemannes mit zwei ledigen Töchtern, Frances und Mathilda, vorerst in Bonn wohnen. In einem Brief an ihre Schwiegertochter Mary Isabel vom 8. Februar 1861 (Bd. II, S. 289) beschreibt sie ihren Tageslauf. Aus diesem Brief geht hervor, dass ihre Tochter Frances zu dem Zeitpunkt an einer Übersetzung arbeitete. „At eight o’clock we breakfast, and after that each settles to writing – Frances to her translation; I to my endeavours after memoirs of my dearest husband; Mathilda to the multifarious occupations of her pen – who shall count them?” Auch wenn die von Frances Helen Bunsen bearbeitete Übersetzung nicht spezifiziert wird, so dürfte es sich allein schon wegen der zeitlichen Nähe um die Übersetzung der zweiten Version der Notes on Nursing von 1860 handeln, die unter dem deutschen Titel „Die Pflege bei Kranken und Gesunden. Kurze Winke, den Frauen aller Stände gewidmet“ 1861 bei Brockhaus in Leipzig erschien. Das Vorwort zu dieser deutschen Ausgabe schrieb Dr. H. Wolff im April 1861 in Bonn. Dieser Arzt dürfte mit dem Dr. Wolff identisch sein, der Bunsen in seinen letzten Tagen in Bonn behandelt hat. In einem Brief an ihren Sohn Henry vom 4. Juli 1860 nimmt Baronin Bunsen Bezug auf eine Äußerung, die Wolff ihrem Sohn Georg gegenüber gemacht hat: „Machen sie sich keine Illusionen -  e r  [der Vater] macht sich keine: er weiß, dass ich nichts Wesentliches für ihn thun kann“ (zit. n. Bd. II, S. 271). Wenn wir nach dem Gesagten davon ausgehen, dass der im Hause Bunsen behandelnde Arzt Wolff und der Verfasser des Vorwortes identisch sind, dann dürfte er die Übersetzerin Frances Helen Bunsen persönlich gut gekannt, vielleicht sogar bei der Übersetzung medizinfachlich beraten haben. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass er die Übersetzerin in seinem Vorwort anonymisiert: „Die Überzeugung, daß die Verbreitung des Werkchens in Deutschland wünschenswert sei, welche ich mit der ungenannten Übersetzerin theile, hat mich bewogen, da sie nur des guten Zweckes willen die Übersetzung unternommen, letztere mit diesen Zeilen zu befürworten“ (Wolff, in: Nightingale 1861, S. VI). Die hier verwendete, vor Jahren antiquarisch erworbene Kopie trägt den Stempel „Bibliotheca Regia Monacensis“ (Königliche Bibliothek München).

Cook (1914, Vol. II, S. 441) hatte bereits angemerkt, dass eine deutsche Übersetzung der Notes of Nursing von Miss Nightingales Freundin, Fräulein Bunsen, arrangiert worden sei und den von Nightingale geäußerten Kommentar „with a very idiotic Preface by a very clever man“ hinzugefügt (ebd.). Diesen Kommentar wiederholen Bishop und Goldie (1962) in „A Bio-Bibliography of Florence Nightingale“ und erwähnen ebenfalls Fräulein Bunsen als Übersetzerin der deutschen Ausgabe „Die Pflege bei Kranken und Gesunden […]“ (S. 20).

Auch Horndasch (1948, S. 139) vermerkt, dass die Übersetzung von Fräulein Bunsen veranlasst worden war. Nach seiner Lesart hat diese deutsche Ausgabe jedoch nicht die Zustimmung von Florence Nightingale gefunden. Es lässt sich nicht ausschließen, dass Horndasch Nightingales Missfallen, das sich lediglich auf das Wolffsche Vorwort bezog, verallgemeinert hat. Vermutlich nahm Florence Nightingale Anstoß daran, dass der „ungenannten Übersetzerin“, dem Fräulein Bunsen, lediglich ein „Werkchen“ zugebilligt wurde.

Frances Helen Bunsen hat die Übersetzungsarbeit nicht als Erwerbsarbeit betrieben. Sie wuchs in einem wohlhabenden, bildungsbürgerlichen Milieu auf, das sie zeitlebens nicht zu verlassen brauchte. Zudem war die bürgerliche Frauenerwerbsarbeit zu ihrer Zeit noch gänzlich unterwickelt. Frauen, die es sich leisten konnten, suchten Lebensgestaltungsmöglichkeiten in ihrem privaten gesellschaftlichen Milieu. Frances Helen Bunsen als Tochter eines Diplomaten befand sich in einer privilegierten Lage. Nach dem Standort Rom, wo die Familie Bunsen bis 1838 lebte, wurde Bunsen nach einem Zwischenaufenthalt in England 1939 nach Bern und von dort 1841 als Gesandter nach London an den königlichen Hof von St. James entsandt. Die Bunsens unterhielten persönliche Kontakte zum englischen und preußischen Hof. Die Familie bezog eine Wohnung im Gesandtschaftsgebäude, und zusätzlich mietete Bunsen ein möbliertes Landhaus mit dreizehn Schlafzimmern und entsprechenden Wohn- und Repräsentationsräumen in der Nähe von Eastbourne. Die Bunsensche Residenz in Carlton House Terrace in London, unweit von Westminster, wird von Hare als ein intellektueller, kosmopolitisch ausgerichteter Treffpunkt bezeichnet, von dem sich Vertreter aus Philosophie, Theologie, Musik, Malerei und Dichtkunst angezogen fühlten. Das Ehepaar Bunsen war streng protestantisch ausgerichtet und erzog seine Kinder konsequent in diesem Geist. Bibelstunden erteilte die Mutter allen Kindern persönlich. Foerster nennt Bunsen einen „theologischen Diplomaten“ (S. 67). Wie Bunsens Enkelin Marie von Bunsen (1942, S. 153) vermerkt, wunderte sich der preußische General Leopold von Gerlach (1790-1861) über die Ähnlichkeit des Erzprotestanten Bunsen und des Erzkatholiken Joseph von Radowitz (1797-1853). In guter Kenntnis der Familieninterna teilt Marie von Bunsen (1900, S. 15) außerdem mit, dass Bunsens Sohn Georg, ihr Vater, der das humanistische Gymnasium mit Internat in Schulpforta (heute ein Stadtteil von Bad Kösen) besuchte, dort als „Pietist“ verschrien war. Politisch war der Gesandte Bunsen westlich und antirussisch orientiert.

Wie Genschorek (1989, S. 17f.) unter anderem übermittelt, stand das Haus des deutschen Gesandten auch Florence Nightingale stets offen. Bunsen, den Florence Nightingale 1842 kennenlernte, war es, der sie auf Berliner Krankenhäuser und Kaiserswerth aufmerksam machte und ihr einen Jahresbericht der Kaiserswerther Diakonissenanstalt zur Kenntnis brachte (ebd., S. 30; vgl. Cook 1914, Vol. I, S. 62; Woodham-Smith 1952, S. 51). In London setzte sich Bunsen engagiert für die Errichtung des German Hospital in Dalston / Ost-London ein und dessen Besetzung mit Kaiserswerther Diakonissen. Das 1845 eröffnete German Hospital wurde von Florence Nightingale wiederholt aufgesucht. Püschel (1980, S. 45 ff.), der Nightingales Bekanntschaft mit Bunsen in krankenhausgeschichtlicher Perspektive untersucht hat, nimmt an, dass das German Hospital und der Gesandte Bunsen in Florence Nightingales Leben eine Schlüsselrolle gespielt haben. Ob Florence Nightingale im Hause Bunsen auch handlungsleitende Eindrücke für ihren Einsatz im Krimkrieg empfangen hat, in dem sich Großbritannien an der Seite anderer Nationen gegen Russland stellte, ist eine nachgehenswerte Frage.

Trotz zahlreicher familiärer und gesellschaftlicher Verpflichtungen verblieb den Frauen dieser vermögenden sozialen Schicht noch genügend Zeit für eigene Unternehmungen, die sie in abwechslungsreiche Erholungs- und Bildungsreisen investierten. Im Frühsommer 1844 begleiteten die 18-jährige Frances Helen und ihre ein knappes Jahr jüngere Schwester Emilia (1827-1907) die Mutter auf einer Reise, die sie u. a. nach Hamburg führte. Es war in diesen Kreisen selbstverständlich, dass die sich bildenden Frauen bedeutende Frauen und Männer aufsuchten; in Hamburg gehörten dazu Amalie Sieveking (1794-1859)  und Johann Hinrich Wichern (1808-1881) . In einem Brief an ihren Sohn Henry (1818-1885), ihren Ältesten, berichtet Frances Bunsen sen. ausführlich über Amalie Sievekings Einrichtungen (Bd. II, S. 65). Erwähnt werden zwölf kränkliche Kinder, die Tag und Nacht von nur zwei Schwestern betreut werden, die aus dem Diakonissenhaus Johannes Gossners (1773-1858)  in Berlin entsandt worden waren. Antonia, eine der beiden Schwestern, führte die Besucherinnen herum. Die berichtende Besucherin, die selbst wahrscheinlich von einer ansehnlichen Schar Dienstboten entlastet wurde, zeigte sich beeindruckt von der umfangreichen Haus- und Pflegearbeit (Beaufsichtigen, Unterrichten, Kochen, Saubermachen usw.), die die beiden Diakonissen ohne Dienstboten (under-strappers) bewältigten. Die Bildungsreisenden besichtigten außerdem die Erziehungs- und Besserungsanstalt für verwahrloste Jungen und Mädchen, das von Wichern eingerichtete „Rauhe Haus“. Frances Helen Bunsen lernte also schon früh das sich entwickelnde Pflegewesen kennen, eben auch durch ihren Vater, der Theodor Fliedner (1800-1864)  persönlich kannte und ein Befürworter des Diakonissenwesens war. Pflegepraktische Konsequenzen zog Frances Helen Bunsen aus dieser intimen Kenntnis offenbar nicht.

Einen konkreten Schritt in diese Richtung unternahm ihre jüngste Schwester Augusta Mathilda (1837-1867). Einem Brief, den Georg von Bunsen (1824-1896) am 7. Februar 1867 seiner Mutter schrieb (Bd. II, S. 371), ist Folgendes zu entnehmen. Seine Schwester Mathilda hatte sich am 12. Januar 1867 nach Neuendettelsau in die Diakonissenanstalt begeben, um dort, einer Berufung folgend, eine Pflegearbeit aufzunehmen. Sie kam bereits erkältet und müde in Neuendettelsau an. Ihre Erkältung verschlimmerte sich während des von ihr ausdrücklich erwünschten Einsatzes in der damals sogenannten „Blödenanstalt“, dem Heim für geistig behinderte Kinder, das von der Diakonisse Schwester Doris geleitet wurde. Nur zögernd ließ Mathilde sich zur Bettruhe bewegen. An Johann Konrad Wilhelm Löhe (1808-1872)  schrieb sie folgende Zeilen: „Verehrter, lieber Herr Pfarrer, Es hat dem Herrn gefallen mir ein Halsleiden zu schicken, das mich auf einige Tage von meinem geliebten Berufe trennt, aber ehe ich mich lege, möchte ich Ihnen aussprechen, wie von Herzen ich meinen Beruf liebe, und wie er mir ganz zusagt, und wie, wenn Sie es mir gestatten, ich ihm länger als ich zuerst meinte, obliegen möchte. Bitte sagen Sie dies Allen, und dass ich nur auf einige Tage – weil Gott der Herr mir nun einmal diese Krankheit zuschickt, eine Stellvertretung annehme. Es grüßt Sie ehrerbietigst Ihre glückliche Freiwillige, Mathilde Bunsen“ (zit. n. Hare 1879, Bd. II, S. 375).

Die konsultierten Ärzte diagnostizierten eine Lungenentzündung und vermuteten einen partiellen Hirnschlag. Diese schwere Erkrankung überlebte Mathilde Bunsen nicht. Sie verstarb am 3. Februar 1867 in Neuendettelsau und wurde dort begraben. Löhe hielt die Totenfeier. Die Oberin [Amalie Rehm (1815-1883) ], die Lehrdiakonisse Therese [Stählin (1839-1928) ], deren Unterrichtstüchtigkeit Mathilde Bunsen sehr bewundert hatte, und viele Diakonissen hätten Mathilde gern als Mitschwester in ihre Glaubensgemeinschaft aufgenommen.

Frances Helen Bunsen entschied sich für eine andere Lebensgestaltung. Nachdem Bunsen im diplomatischen Dienst seinen Abschied genommen hatte, übersiedelte die Familie 1854 nach Heidelberg und von dort erst 1860 nach Bonn. Zum Heidelberger Haushalt gehörten das Ehepaar Bunsen, die ledigen Töchter Frances, zu dem Zeitpunkt auch noch Mathilda und zeitweise Emilia, der jüngste Sohn Theodor (1832-1892), ein Zwillingsbruder von Theodora (siehe unten), und vier Hausangestellte. Die Familie bewohnte eine Villa am rechten Ufer des Neckars. Bunsen hatte zunächst das liberalere Großherzogtum Baden dem konservativeren, ständisch-monarchisch geprägten Preußen vorgezogen. Wenn er sich schließlich doch in dem Land niederließ, dem er Jahrzehnte als Diplomat gedient hatte, spielten dabei auch private Gründe eine Rolle. Sein Sohn Georg hatte sich mit seiner gerade gegründeten Familie in Bonn niedergelassen.

Die oben bereits erwähnte Tochter Georgs, Marie von Bunsen (1860-1941), wurde Schriftstellerin und Malerin. Sie hat inzwischen in der Genderforschung Beachtung gefunden (vgl. Friedrich). Ihr ist auch die Übermittlung von Eindrücken zu verdanken, die der Historiker Reinhold Pauli (1823-1882) während seines London-Aufenthaltes im Hause Bunsen gesammelt hat: „Vor den Bunsen’schen Mädchen aber allen Respect. Die haben was gelernt [...]. Erst nach und nach habe ich erfahren, wie unterrichtet sie sind: die eine [bei Marie von Bunsen 1900, S. 95: Francis] ist neben ihren brillanten historischen Kenntnissen und neben ihrer Festigkeit in den neueren Sprachen im Stande Homer und Tacitus im Original zu lesen. Freilich, beide Eltern sind so sehr bedeutend, beide sind die Hauslehrer ihrer Kinder gewesen“ (zit. n. Marie von Bunsen 1900, S. 94 f.).

Nach Bunsens Tod betrachtete es Baronin Bunsen als eine selbstverständliche und vorrangige Aufgabe, ihren ledigen Töchtern, zu der Zeit Frances und Mathilde, in Bonn ein behagliches Zuhause zu gestalten. Sie arbeitete zwar an den „Memoirs of Baron Bunsen“ (siehe oben), empfand aber mütterliche Pflichten für die Großfamilie, die sie auch ihrem Schwiegersohn August Freiherrn von Ungern-Sternberg (1817-1895) gegenüber wahrnahm. Als ihre Tochter Theodora, verheiratete Baronin von Ungern-Sternberg (geb. 1832), knapp drei Wochen nach der Geburt ihres fünften Kindes 1862 in Karlsruhe verstarb, war es für Baronin Bunsen keine Frage, nun auch noch die Sorge für die mutterlosen Enkelkinder zu übernehmen. An häufige Ortswechsel zeitlebens gewöhnt, löste sie ihren Haushalt in Bonn auf und übersiedelte nach Karlsruhe, wo sie sich in der Waldhornstraße niederließ. Ihre ledigen Töchter Frances Helen und Emilia wurden in diesen Familienplan einbeinbezogen. Frances Helen Bunsen soll die Sorge um die Neffen und Nichten ein besonderes Anliegen gewesen sein. Baronin Bunsen verstarb am 23. April 1876 in Karlsruhe – in den Armen ihrer Tochter Frances Helen.

Wie Frances Helen Bunsen, inzwischen fast fünfzig Jahre alt und bis dahin elterlich behütet, ihren weiteren Lebensweg gestaltete, muss noch erforscht werden. Zu fragen bleibt, ob sie sich im „Dasein für andere“ in einer Ersatzfamilie erschöpfte oder bei ihrer vielseitigen Bildung noch zu einer berufsförmigen Tätigkeit fand. Sie verstarb am 29. November 1894 in Karlsruhe.

Ihre Übersetzung der Notes on Nursing ist das Ergebnis von Muße einer gut situierten, gebildeten, berufs- und ehelosen Frau des 19. Jahrhunderts. Die Rezeption und Bedeutung dieser nachhaltig wirkenden, aber bisher kaum beachteten Übersetzungsleistung dringt erst allmählich, fast hundertfünfzig Jahre nach ihrer Entstehung, in den Bewusstseinshorizont der deutschen Pflegegeschichte ein. Bemerkenswert und aufarbeitungsbedürftig ist vor allem der ökonomische, kulturelle und soziale Wandel in der Lebensrealität der wenigen Frauen, die sich damals mit Krankenpflege befassten, sei es als reiche Tochter oder arme Diakonisse, und den Wirklichkeiten Hunderttausender von Frauen, die heute als tariflich eingestufte Arbeitnehmerinnen in der Pflege tätig sind.


Literatur

Bishop, W. J, Sue Goldie: A Bio-Bibliography of Florence Nightingale. Dawsons. London 1962.

Bunsen, Marie von, geboren 16.01,1860 London, gestorben 28.06.1941 Berlin, Schriftstellerin, Malerin. Berliner Bezirkslexikon, Mitte. Edition Luisenstadt. Berlin 2002. www.berlingeschichte.de/Lexikon/Index.html [21.01.2007].

Bunsen, Marie von: Georg von Bunsen. Ein Charakterbild aus dem Lager der Besiegten. Hertz. Berlin 1900.

Bunsen, Marie von: Kaiserin Augusta. Siegismund. Berlin 1942 (1. Auflage 1940).

Cook, Sir Edward: The Life of Florence Nightingale in two Volumes. Vol. I (1820-1861), Vol. II (1862-1910). Macmillan & Co. London 1914.

Foerster, Frank: Christian Carl Josias Bunsen. Diplomat, Mäzen und Vordenker in Wissenschaft, Kirche und Politik. (= Waldeckische Forschungen. Wissenschaftliche Reihe des Waldeckischen Geschichtsvereins, Band 10). Waldeckischer Geschichtsverein. Bad Arolsen 2001.

Friedrich, Margret: Rezension zu Bärbel Kuhn: Familienstand ledig. Ehelose Frauen und Männer im Bürgertum (1850-1914) (L’Homme Schriften, Band 5). Böhlau, Köln 2000. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/Buecher/2001/frma0201.htm [29.01.2007].

Genschorek, Wolfgang: Schwester Florence Nightingale. Triumph der Menschlichkeit. Hirzel / Teubner. 3. Auflage. Leipzig 1989 (1. Auflage 1986).

Hare, Augustus J. C.: The Life and Letters of Frances Baroness Bunsen. Routledge & Sons, New York. Ohne Jahresangabe [1879].

Hare, Augustus J. C.: Freifrau von Bunsen. Ein Lebensbild aus ihren Briefen zusammengestellt. Deutsche Ausgabe von Hans Tharau. Perthes. 6. Auflage. Gotha 1890.

Horndasch, Max: Die Lady mit der Lampe. Das Leben der Florence Nightingale. Glöckner. Bonn 1948.

Nightingale, Florence: Die Pflege bei Kranken und Gesunden. Von der Verfasserin autorisierte deutsche Ausgabe nach der 2. Auflage ihrer „Notes on Nursing“. [Übersetzt von Frances Helen Bunsen]. Brockhaus, Leipzig 1861 (ausgesonderte Bibliothekskopie).

Nightingale, Florence: Notes on Nursing: What it is and what it is not. Unabridged Republication of the first American Edition, as published by D. Appleton and Company in 1860. Dover, New York 1969.

Nightingale, Florence: Bemerkungen zur Krankenpflege. Die „Notes on Nursing“ neu übersetzt und kommentiert von Christoph Schweikardt und Susanne Schulze-Jaschok. Mabuse. Frankfurt am Main 2005.

Püschel, Jürgen: Die Geschichte des German Hospital in London (1845 bis 1948) (Studien zur Geschichte des Krankenhauswesens). Herausgegeben von Axel Hinrich Murken. Murken-Altrogge, Münster 1980.

Woodham-Smith, Cecil: Florence Nightingale. Übersetzt, bearbeitet und leicht gekürzt von Irmgard Wild. Kösel. München 1952.

Bildnachweis: Foerster, Frank: Christian Carl Josias Bunsen. Waldeckischer Geschichtsverein, Bad Arolsen 2001, S. 175.

BUNSEN, Frances Helen von

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Karin Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Karin Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 62-66

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=152

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