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Dec 06, 2019 Last Updated 8:30 AM, Nov 20, 2019

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

re ulum(Staatliche Archive Bayerns – Kleine Ausstellungen,
Nr. 57). Konzeption und Bearbeitung: Gerhard Hetzer und Gerhard Immler. [Selbstverlag] Generaldirektion
der Staatlichen Archive Bayerns. München 2018,
84 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-938831-84-7

Wohl keiner der Orden der katholischen Kirche hat in seiner Geschichte so viele Veränderungen seiner Zielsetzungen und seiner Verfassung erlebt wie die Vereinigung der Johanniter und Malteser. Im Jahre 1099 in Jerusalem kurz nach der Einnahme der Stadt durch die Teilnehmer des Ersten Kreuzzuges als Gemeinschaft zur Pflege kranker Pilger gegründet und am 15. Februar 1113 von Papst Paschalis II. bestätigt, blieb die Krankenpflege immer eine Aufgabe des Ordens.

Heute ist der Johanniterorden Träger der international arbeitenden „Johanniter-Unfall-Hilfe“ (JUH), mit etwa 1,4 Millionen Mitgliedern in Deutschland, der „Johanniter-Hilfsgemeinschaften“ (JHG), der „Johanniter-Schwesternschaft“ und der „Johanniter-Arbeitsgemeinschaften für Gegenwartsfragen“ (JAG). Um den Anforderungen an die Versorgung von Patienten und Bewohnern in ihren stationären Pflegeeinrichtungen – 15 Krankenhäuser und 56 Altenpflegeeinrichtungen, Tageskliniken und betreute Wohnungen – bestmöglich nachkommen zu können, wurde inzwischen als Trägergesellschaft die Johanniter GmbH gegründet.

Zu den rund 600 Werken des Malteser Ordens mit mehreren Tausend haupt- und ehrenamtlichen Helfern in Deutschland gehören heute Einrichtungen der Flüchtlingsbetreuung, Altenhilfe, Krankenhäuser und Hospizarbeit, Jugendhilfe, Erste-Hilfe-Ausbildung, Mitwirkung im Katastrophenschutz und Rettungsdienst, ambulante Pflege und Betreuung, verbandliche Jugendarbeit sowie Jugend- und Suchthilfe und Gesundheitsförderung. In der Malteser Deutschland gGmbH bündelt der Malteserorden seine sozialunternehmerischen Aktivitäten in Deutschland, so die Trägerschaft von acht Krankenhäusern, einer Fachklinik für Naturheilverfahren, 36 Einrichtungen der Altenhilfe, 11 Einrichtungen und Dienste der Hospizarbeit und Palliativmedizin sowie neun ambulanten Pflegediensten.
Unter der Überschrift „Über Land und Meer“ widmete das Bayerische Hauptstaatsarchiv vom 2. Oktober bis 27. November 2018 dem Orden der Johanniter und Malteser in Bayern eine Ausstellung, zu dem in der Reihe „Staatliche Archive Bayerns – Kleine Ausstellungen“ der vorliegende Begleitband erschien. Dieser enthält neben dem Katalogteil (S. 42-84), der in chronologischer Reihenfolge insgesamt 27 Dokumente aus der Zeit vom Ende des 13. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in Wort und Bild vorstellt, auch zwei Textbeiträge (S. 7-41) von Dr. phil. Gerhard Immler und Dr. phil. Gerhard Hetzer, Leitender Archivdirektor beziehungsweise Direktor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München, in deren Hände auch die Konzeption und Bearbeitung der Ausstellung lag.

In seinem Beitrag „Der Ritterorden der Johanniter und Malteser und dessen Niederlassungen in Bayern“ (S. 7-24) gibt Gerhard Immler zunächst einen kurzen Überblick über die Entstehung des Ordens, bevor er sich dann den „Kommenden der Deutschen Zunge im heutigen Bayern“ einschließlich der „Englisch-Bayerische(-Russische) Zunge“ von ihren Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zuwendet. Wie der Autor hierbei zeigt, entstanden die ältesten Niederlassungen des Johanniterordens im heutigen Bayern in Franken, bedingt wohl dadurch, dass zahlreiche fränkische Adelige im Gefolge Kaiser Friedrichs I. am Dritten Kreuzzug von 1189 bis 1192 teilnahmen. So schenkte beispielsweise Graf Albert von Hohenlohe sogleich nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land dem Orden die Pfarrkirche Reichardsroth bei Rothenburg ob der Tauber und beteiligte sich in dieser Stadt an der Stiftung eines Hospitals, während in Würzburg König Friedrich II. im Jahre 1215 den Johannitern die Schenkung eines Rubertus Curvus bestätigte, mit der der Orden das schon bestehende St. Oswalds-Spital übernahm.

In seinem Beitrag „Alte und neue Ordnungen“ (S. 25-41) gewährt sodann Gerhard Hetzer einen tiefen Einblick in die Überlieferung der Johanniter in den Archiven auf Malta und in Süddeutschland. Wie der Autor dabei eindrucksvoll darlegt, können sowohl das Bayerische Hauptstaatsarchiv als auch die bayerischen Staatsarchive Quellen für Forschungen zur großen und zur kleinen Geschichte dieses Ritterordens mit seinen vielen Verzweigungen und Zungen und seiner Präsenz in der europäischen Staatenwelt zur Verfügung stellen.

Mit der Ausstellung sowie vorliegenden Publikation ist es dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München eindrucksvoll gelungen, die historische Entwicklung der Johanniter und Malteser in Bayern in Erinnerung zu rufen. Dass dabei die konkrete Ausgestaltung der Krankenpflege viel zu kurz kommt dürfte wohl vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass es hierzu noch einen sehr großen Forschungsbedarf gibt. Insofern bietet die Lektüre „Über Land und Meer“ nicht zuletzt wertvolle Anregungen für die historische Pflegeforschung.

Dr. Hubert Kolling

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