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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: MICHELIS, Eduard
MICHELIS, Eduard
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 203-205.
 

Biographie

Michael Franz August Eduard Michelis wurde am 6. Februar 1813 in St. Mauritz bei Münster in Westfalen als das fünfte von neun Kindern des Kupferstechers Johann Maria Franz M. (1762-1835) und dessen Ehefrau Auguste Schaffer gebo-ren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Münster studierte er von 1832 bis 1835 an der Philosophisch-Theologischen Aka-demie seiner Vaterstadt katholische Theologie und trat im Herbst 1835 in das dortige Priesterseminar ein. Unmittelbar nach seiner Priesterweihe am 6. April 1836 bestellte der neu ernannte Kölner Erzbischof Clemens August Freiherr von Droste zu Vischering (1773-1845)? den erst 23-jährigen zu seinem Haus-kaplan und Geheimsekretär. Als solcher war Miche-lis engster Vertrauter des Erzbischofs, mit dessen Grundsätzen er vollkommen übereinstimmte, und spielte in den kirchenpolitischen Auseinanderset-zungen (Fragen der Behandlung der Mischehen, Haltung des Erzbischofs gegenüber der Theologi-schen Fakultät in Bonn und dem Priesterseminar in Köln), die unter dem Namen „Kölner Wirren“ be-kannt geworden sind, seit 1836 eine bedeutsame Rolle. Als leidenschaftlicher Verteidiger der Freiheit der Kirche gegen die Bevormundung durch den preußisch-protestantischen Staat wurde er anlässlich des sogenannten „Kölner Ereignisses“ am 20. No-vember 1837 zusammen mit dem Erzbischof von der preußischen Regierung verhaftet und für über zwei Jahre zunächst auf der Festung Minden, danach in Magdeburg und Erfurt inhaftiert. Nach seiner Entlassung am 21. April 1841 kehrte er nach Münster zurück und betätigte sich als Mit-herausgeber des katholischen „Münsterischen Sonn-tagsblatts“. 1842 gründete er ein Waisenhaus, um der Not armer, mittelloser Waisenkinder abzuhelfen. Nach seiner Überzeugung konnte Bestehen und Ge-deihen dieses karitativen Werkes erst dann sicher-gestellt werden, wenn eine weibliche religiöse Ge-nossenschaft die Leitung der Pflege übernähme; aus finanziellen Gründen war an weltliche Pflegekräfte nicht zu denken. Da in Norddeutschland noch keine Genossenschaft mit den von ihm erstrebten Zielen bestand, entschloss Michelis sich, selbst eine solche zu gründen. Als er einige geeignete Kräfte für dieses Unter-nehmen gewonnen hatte, wurde das Waisenhaus am 3. November 1842 eröffnet. Dieses Datum gilt zu-gleich als Gründungstag der Genossenschaft der „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“, deren Aufgabe auch in der Pflege von Kranken und armer alter Leute bestand. Zur Einführung in den Geist des klösterlichen Lebens sandte Michelis einige Ordens-kandidatinnen zu den Vorsehungsschwestern nach Rappoltsweiler im Elsass. Er stellte seine Gründung unter den Schutz des hl. Vinzenz von Paul (1851-1660)?. Zwei Jahre nach der Gründung, am 29. November 1844, wurden die vorläufigen Ordensre-geln, die Michelis in Anlehnung an die der elsässi-schen Vorsehungsschwestern zusammengestellt hat-te, vom Bischof von Münster, Caspar Maximilian von Droste-Vischering, genehmigt, später dann (1876) „im Geiste des hl. Ignatius“ ergänzt und vertieft. Die Mitglieder der Gemeinschaft tragen ein schwarzwollenes, über der Brust in senkrechte Fal-ten gelegtes Kleid, das von einem schwarzen Zin-gulum (Gürtelschnur) gegürtet wird. Vom Gürtel hängt ein „kleines Skapulier“ (in zwei Streifen) her-ab; es ist, wie der lange Mantel, dessen die Frauen sich bei Ausgängen bedienen, in Stoff und Farbe dem Kleide völlig gleich. Der weißleinene, ge-schlossene und ungestärkte Schulterkragen reicht ziemlich tief herab, ebenso auch die leinene, von den Professschwestern mit einem Schleier aus leichtem, schwarzem Stoff bedeckte Kopfhülle. Neben der Leitung ihres Waisenhauses in St. Mau-ritz übernahmen die Schwestern schon im Jahre 1845 auch die des Bürgerwaisenhauses in Münster sowie auf Ansuchen der Armenkommission die des Waisenhauses in Coesfeld; 1856 folgte das katholi-sche Waisenhaus in Bremen, ferner Waisenhäuser in Datteln, Borne und Rheine. Beim 25-jährigen Beste-hen (im Jahre 1867) zählte die Genossenschaft an-nähernd 100 Schwestern, die in verschiedenen Wai-senhäusern über 200 Waisenkinder betreuten und in mehreren Volksschulen über 1.000 Kinder unter-richteten. Während des deutsch-französischen Krieges (1870) pflegten die Schwestern auch Verwundete und Kran-ke. Durch die von der Front in die Heimatlazarette mitgebrachten Seuchen infizierten sich einige Schwestern bei ihrer aufopfernden Pflege an Ruhr und Typhus und starben. Während des Kulturkampfes wurden im Jahre 1878 die Anstalten und das Generalmutterhaus in der Frie-drichsburg in Münster aufgelöst und das St. Josephs-Kloster in Steyl (Niederlande), das 1876 errichtet worden war, als Mutterhaus bestimmt. Von hier aus wurden in den Niederlanden, wo bereits einige An-stalten bestanden, eine Reihe anderer Niederlas-sungen eröffnet. 1887 wurde die Rückkehr ins Deutsche Reich ge-stattet und nunmehr in der Friedrichsburg ein zwei-tes Noviziatshaus errichtet. Im Jahre 1889 bestanden wieder 20 deutsche Filialen, die sich rasch vermehr-ten. Im Ersten Weltkrieg beteiligten sich 338 Schwe-stern von der Göttlichen Vorsehung in 14 Lazaretten an der Pflege von Verwundeten; die Statistik weist dabei 12.486 verwundete oder kranke Soldaten und 543.410 Pflegetage aus. Als äußeres Zeichen der Anerkennung wurden zwölf Schwestern mit der Roten Kreuzmedaille und vier mit dem Verdienst-kreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet. Mitte des 20. Jahrhunderts arbeiteten die Schwestern in über 130 Niederlassungen im Unterrichts- und Erziehungs-wesen und in Heimen der Caritas in Aachen, Berlin, Meißen, Münster, Osnabrück, Paderborn und Trier; darüber hinaus im Ausland, unter anderem in Bra-silien (seit 1895), über 600 Schwestern. 1980 zählte die Genossenschaft 181 Niederlassungen - von denen 120 in Deutschland, 28 in den Niederlanden und 33 in Brasilien lagen – mit insgesamt rund 2700 Schwestern. Als Hauptaufgabe und Zweck betrach-tet die Genossenschaft neben der Unterrichts- und Erziehungstätigkeit die sozial-karitative Arbeit in Waisenhäusern, Fürsorgestellen, Kinderheimen, in der Säuglingspflege und in der Pflege der Kranken und armer alter Leute. So leiten die Vorsehungs-schwestern in Deutschland bis in die Gegenwart unter anderem 25 Waisenhäuser, ein Säuglingsheim, zehn Altersheime, drei Krankenhäuser und 22 Sta-tionen für ambulante Krankenpflege; in den Nieder-landen zwei Waisenhäuser, sechs Altersheime, ein Krankenhaus und 20 Stationen für ambulante Kran-kenpflege; und in Brasilien zwei Waisenhäuser und dreizehn Krankenhäuser. Während sein Werk sich ausbreitete, promovierte Michelis mit einer Arbeit über den Brief des Heili-gen Paulus an Philemon im März 1844 in Münster zum Lizentiaten der Theologie und nahm im fol-genden Jahr (1845) auf Anerbieten des Apostoli-schen Vikars von Luxemburg, Johannes Theodor Laurent (1804-1884), am neu errichteten Priesterse-minar in Luxemburg die Professur für Dogmatik an. Gleichzeitig entfaltete er eine breite publizistische Tätigkeit, unter anderem für die „Deutsche Volks-halle“ und das „Mainzer Journal“ und lieferte zahl-reiche Beiträge für die von Wilhelm Binder 1846-50 herausgegebene „Allgemeine Realencyclopädie oder Conversationslexicon für das katholische Deutsch-land“ und für „Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon“. Darüber hinaus war Michelis ein eifriger Förderer des Bonifatius-Vereins und nahm in seiner Eigen-schaft als ständiges Kommissionsmitglied intensiv Einfluss auf die Generalversammlungen der katholi-schen Vereine Deutschlands. 1848 wurde er Mitbe-gründer der katholischen Tageszeitung „Das Luxem-burger Wort“, deren Hauptschriftleitung er bis zu seinem Tode inne hatte; Michelis starb nach wie-derholt heftigen Bluthusten am 8. Juni 1855 in Luxemburg.

Literatur

Bischof, Franz Xaver: Michelis. In: Neue Deutsche Biographie. Herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Siebzehnter Band. Duncker und Humblot. Berlin 1994, Seite 447-449. Göbell, W.: Vorsehungsschwestern. In: Galling, Kurt (Hrsg.): Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Sechster Band. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck). Tübingen 1962, Seite 1499-1500. Heimbucher, Max: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. II. Band. Vierte Auflage. Schöningh. Paderborn / München / Wien 1980, Seite 529-531. Kosch, Wilhelm: Das Katholische Deutschland. Biographisch-bibliographisches Lexikon. Literarisches Institut von Haas und Grabherr. Augsburg 1933, Seite 2988-2989. Nettelbusch, Petra: Die Genossenschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung in Münster in Westfalen. Ihr Werden, Wachsen und Wirken 1842-1928. Westfälische Vereinsdruckerei. Münster 1928 Nettelbusch, Petra. Eduard Michelis. Ein Lebens- und Charakterbild 1813-1855. R. van Acken. Lingen-Ems 1952. Reusch, -: Eduard M. Michelis. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Einundzwanzigster Band. Herausgegeben durch die historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Duncker und Humblot. Leipzig 1885, Seite 693-694. Sinnigen, Ansgar: Katholische Frauengenossenschaften Deutschlands (Deutsche Schwestern-Genossenschaften). Zweite Auflage. Rhenania-Verlag Th. P. Braun. Düsseldorf 1933, Seite 336-339. Wendlandt, Hans Carl: Die weiblichen Orden und Kongregationen der katholischen Kirche und ihre Wirksamkeit in Preußen von 1818 bis 1918. Ferdinand Schöningh. Paderborn 1924, Seite 297-299. Bildquelle: Sinnigen, Ansgar: A.a.O., Seite 336.

MICHELIS, Eduard

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 203-205

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=668

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