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Who was who in nursing history: MARX, geb. GESSINGER Gertrud
MARX, geb. GESSINGER Gertrud
Artikel von: K. Wittneben
Erschienen in Band 3, Seite(n) 192-196.
 

Biographie

Die aus dem Berliner Arbeitermilieu stammende Säuglingsschwester Gertrud Marx gehörte in den ersten vier Jahrzehnten ihres Lebens zu den sozial Benachteiligten und unter dem Nazi-Regime außer-dem zu den politisch Verfolgten. Das Blatt wendete sich erst 1945 mit dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur. In der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) und der DDR machte Trude Marx ihren Weg als Kommunal-politikerin und Partei-sekretärin der Soziali-stischen Einheitspar-tei Deutschlands (SED). Gertrud Gessinger wurde am 3. Juni 1904 als jüngstes Kind des Kellners Bruno G. und seiner aus Wien stammen-den Ehefrau Rosalie in Berlin geboren. Vier ältere Brüder waren bereits im Kindesalter an Tuberkulose verstorben. Als Trude zwei Jahre alt war, ging auch der Vater an dieser „Arme-Leute-Krankheit“ zu-grunde. Trude blieb mit ihrer Mutter in einer Man-sardenwohnung in der Sperlingsgasse 1 zurück, ei-ner engen Behausung in dem Arbeiterviertel rund um den Alexanderplatz. Die Mutter hielt sich und die Tochter als Plätterin in einer Fabrik, in der Wä-sche hergestellt wurde, mehr schlecht als recht über Wasser. Trude, schon als Kind auf sich allein ge-stellt, besuchte bis 1918 die 130. Gemeindeschule in der Berliner Niederwallstraße. Sie war eine aufge-weckte, gute Schülerin. Die Fächer Geschichte, Deutsch, Erdkunde und Sport bevorzugte sie, und selbst am Religionsunterricht nahm sie teil, obwohl ihre Mutter aus der Kirche ausgetreten war. In den Jahren des Ersten Weltkrieges fand sie Aufnahme in einem Kinderhort. Dieser war von jüdischen Firmen der Bekleidungsindustrie am Dönhoffplatz eröffnet worden. Hier fand Gertrud Gessinger Kontakt zu der wohl-habenden jüdischen Familie Baumann, die zu den Begründern des „Kriegskinderhortes“ gehörte. Tru-de freundete sich mit den Baumann-Töchtern an und konnte durch diese Bekanntschaft schöne Ferienwo-chen in der großzügig ausgestatten Baumann-Villa am Wannsee verleben. Für das Arbeiterkind tat sich hier eine neue Welt auf, die ihr, wie sie später ein-räumte, gefallen hat ? die interessante, anregende Atmosphäre, die Umgangsformen ... Doch Trude blieb dem Arbeitermilieu verbunden. Ihre Mutter hatte ihr ein Bewusstsein für ihre soziale Herkunft aus der Arbeiterklasse eingeschärft. Bei der Erfüllung ihres größten Berufswunsches, Säug-lings- bzw. Kinderschwester zu werden, konnte sie ihr freilich nicht helfen. Hier setzte sich Frau Bau-mann, die wohlhabende Jüdin, als Fürsprecherin für sie ein. Es gelang ihr, Trude Gessinger in der Säug-lingspflegeausbildung am Kaiserin Auguste Viktoria Haus (KAVH) in Charlottenburg auf einer Freistelle unterzubringen. Nach der Schulentlassung hatte sie einen Haushaltungskurses des Roten Kreuzes be-sucht. Wie Elisabeth v. Holleufer (1886-1947)? berichtet, boten die Frauenvereine und die Werner-Schule vom Roten Kreuz ein breites Spektrum an Hauswirtschafts- bzw. Haushaltungslehrgängen an, die in der Regel auch Unterrichtsstunden in Säug-lingspflege einschlossen. Nach einer sich anschlie-ßenden Tätigkeit als Haushaltshilfe war Trude Ges-singer für eine zweijährige Ausbildung zur Säug-lingsschwester, die sie von 1921 bis 1923 absol-vierte, gut vorbereitet. Bis auf die damals in der Pflegeausbildung üblichen Disziplinierungen (jeden Morgen Fingernägelkontrolle, Rocksaum des hell-blauen Kleides genau 35 cm vom Boden) verband sie mit ihrer Zeit am KAVH angenehme Erinne-rungen. Es war die Zeit, als Antonie Zerwer (1873-1956)? als Oberschwester am KAVH wirkte, kurz bevor sie 1924 zur Oberin der Anstalt aufstieg. Nach dem Examen arbeitete Trude Gessinger für einen Monatslohn von sechzig Mark in Kinderhei-men an der Nord- und Ostsee sowie als privates Kindermädchen. 1925 lernte sie den Werkzeugmacher Karl Marx, ihren künftigen Mann, kennen. Erst durch ihn, den Werkzeugmacher von Siemens, wurde sie politisiert und für ihre gesellschaftliche Lage sensibilisiert. Kurz nachdem sie sich kennen gelernt hatten, trat sie in die sozialdemokratische Sozialistische Arbeiter-jugend (SAJ) ein, die Vorläuferorganisation der „Roten Falken“. Karl Marx war bereits Mitglied der Partei. Am 30. Oktober 1928 heirateten sie. Trude Marx, noch ganz der Sozialisation einer zukünftigen Hausfrau verhaftet, gab ihren Beruf auf, blieb aber politisch aktiv und setzte sich dadurch wiederum von dem typischen Hausfrauenverhalten ab. Schon im November 1928 trat sie in die SPD ein und er-hielt auch bald ihr erstes Parteiamt. Sie wurde in die 13. Abteilung des SPD-Kreisvorstandes Berlin-Tier-garten gewählt. In dieser Funktion konnte sie sich für die Belange von Frauen in Moabit, Tiergarten und zum Teil auch in Charlottenburg einsetzen. Ohne theoretische Weiterbildung lernte sie politi-sches Denken und Handeln an praktischen Bei-spielen, wie z.B. der damals geführten Diskussion um den § 218. In Diskussionen mit ihrem Ehemann über politisches Handeln tat sich bald eine Kluft auf. Während sich Karl Marx angeblich zum „rechten“ Sozialdemokraten entwickelte, fühlte sie sich poli-tisch eher dem „linken“ Lager verbunden, blieb aber Sozialdemokratin. Trotzdem will sie schon bei der letzten Reichstagswahl am 6. November 1932 heim-lich der KPD ihre Stimme gegeben haben, d.h. ohne ihrem Mann diese Entscheidung zu offenbaren. Da-mit beging sie einen Vertrauensbruch nicht nur ihrem Mann, sondern auch ihrer Partei gegenüber. Die junge Ehe musste jedoch nicht nur politische Spannungen aushalten. Im Zuge der wirtschaftlichen Rezession und zunehmender Arbeitslosigkeit wurde Karl Marx bei Siemens auf Kurzarbeit gesetzt. Unter diesen ökonomischen Bedingungen hat das Ehepaar in gegenseitigem Einvernehmen auf Kinder verzich-tet. Der 30. Januar 1933, der Tag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, sollte ihr Leben noch tiefgreifender verändern. Unmittelbar danach wurde Karl Marx bei Siemens entlassen und wegen fort-gesetzter, verbotener politischer Arbeit im Dezem-ber 1933 verhaftet. Erst Weihnachten 1935 kam er wieder frei. Nur ein paar Wochen konnten sie gemeinsam verbringen. Am 2. Februar 1936 wurde Trude Marx verhaftet. Laut Anklageschrift soll sie eine illegale Organisation zur Unterstützung inhaf-tierter Sozialdemokraten geleitet und mit der verbo-tenen, kommunistischen Untergrundorganisation „Rote Hilfe für das illegale Deutschland“ zusam-mengearbeitet haben. Im Gefängnis Berlin-Moabit wurde sie dreizehn Monate in sogenannter „Schutz-haft“, festgehalten. Erst für den 4. und 5. März 1937 war eine Verhandlung vor dem sogenannten Volks-gerichtshof (VGH) angesetzt und eine Haftstrafe von fünf Jahren für Trude Marx beantragt worden. Doch sie wurde freigesprochen, weil ihre Richter befan-den, dass ihre Intelligenz nicht ausreiche, um jene illegalen Funktionen wahrgenommen zu haben, die ihr von der Anklage vorgeworfen wurden. Kaum zu Hause, wurde sie am 6. März 1937 erneut verhaftet und in das ehemalige Provinzialwerkhaus in Moringen am Solling, ein noch provisorisches Frauenkonzentrationslager, „überstellt“, (heute Lan-deskrankenhaus für Psychiatrie). Der sogenannte „Schutzhaft“- Befehl für Gertrud Marx lautete: „Die Ehefrau Gertrud Marx ist nach den Fest-stellungen eine geschulte Marxistin gewesen, die bereits seit 1924 der Sozialistischen Arbeiterjugend und bis zum Verbot der SPD. Als Mitglied ange-hörte. Das gegen die Marx eingeleitete Strafver-fahren hat mit ihrer Freisprechung geendet. Da zu befürchten war, dass sich die Genannte auch künftig staatsfeindlich betätigen wird, ist sie am 5.3.37 aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Schutzhaft genommen worden.“ In Moringen wurde sie bis zum Juli 1937 festge-halten. Zurück in Berlin, traf sie mit ihrem bereits erkrankten Mann zusammen. Karl Marx verstarb am 15. Dezember 1937. Da Trude Marx nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten durfte bzw. konnte, die Nationalsozialisten hatten ihr ihren Nachweis aberkannt, musste das Ehepaar die letzten gemeinsamen Monate von einer Arbeitslosenunterstützung leben. Nach zwölf, keineswegs nur glücklich verlaufenen, gemeinsamen Jahren mit Karl Marx war Trude Marx familiär nun gänzlich auf sich selbst zurückgeworfen - ohne Eltern, Geschwister, Ehepartner und Kinder. Ihre Mutter war bereits 1936 während ihrer Moabiter Untersuchungshaft verstorben. Sie machte einen be-ruflichen Neuanfang. An der kaufmännischen Pri-vatschule, Sprachschule und staatlich anerkannten Höheren Handelsschule Dr. W. Rackow belegte sie einen Crash-Kurs in Stenographie und Schreibma-schine, und tatsächlich fand sie im Januar 1938 eine Anstellung bei Rechtsanwalt Rasch in Berlin-Char-lottenburg, allerdings nur vorübergehend, denn ihr, wie zu vermuten ist, jüdischer Arbeitgeber emi-grierte bald schon nach England. Gegen Ende des Jahres 1938 kam sie in einer Draht- und Kabelfabrik im Bezirk Moabit unter. Mit dem Kriegsausbruch am 1. September 1939 wurde sie am Arbeitsplatz erneut verhaftet, um, wie es in der Begründung der Gestapo hieß, „die Aufrechterhaltung des inneren Friedens zu gewährleisten“. Dieses Mal wurde sie in das Frauenkonzentra-tionslager Ravensbrück überführt und mit der Häft-lingsnummer 2112 in den Block Nr. 1 verbracht, wo politische Gefangene zusammengepfercht waren. Wie Trude Marx später berichtet hat, wurde sie hier von Leidensgenossinnen, überwiegend Kommuni-stinnen, kameradschaftlich aufgenommen, obwohl sie gleich zu erkennen gegeben hatte, dass sie von den Sozialdemokraten käme. Mit Männern und Frauen ihrer Partei war sie zuletzt vor zwei Jahren in Moringen zusammengetroffen. In der zweiten Woche wurde sie in den sogenannten Strafblock verlegt, weil sie inzwischen als „rück-fällig“ eingestuft worden war. Ihre vorausgegan-genen Verhaftungen waren bei ihrer Einweisung von der SS zunächst übersehen worden. Eine schwere Verletzung, die sie sich bei Arbeiten mit Stachel-draht zugezogen hatte, verschaffte ihr durch eine Aufnahme in der Krankenbaracke, dem „Revier“, eine knappe Arbeitspause. Doch bald schon fand sie sich in dem strengen Winter 1939/40 mit Minus-graden zwischen 25 und 30 Grad in einer Kolonne von fünfzig Frauen bei Außenarbeiten wieder. Den ausgemergelten, geschwächten Frauen wurde zum Lagerausbau das Verladen von Steinen aufgebürdet. Viele Frauen brachen unter dieser unmäßigen Über-belastung zusammen. Gemartert und ermordet wur-den in Ravensbrück 92.000 Frauen und Kinder. Nach achtmonatiger qualvoller Unterbringung im Strafblock und zermürbender körperlicher Arbeit wurde Trude Marx am 4. Mai 1940 aus Ravensbrück entlassen, ohne jemals dafür den Grund erfahren zu haben. In Berlin wies ihr das Arbeitsamt umgehend eine Arbeit im Wehrkreissanitätspark III im Bezirk Mo-abit zu. Als die Bombenangriffe auf Berlin sich verdichteten, wurde ihre Einheit 1943 nach Rheins-berg/ Brandenburg verlegt. In Rheinsberg wurde Trude als Stenotypistin beschäftigt. Hier erlebte sie am 29. April 1945 den Einmarsch der Truppen der Roten Armee. Dieser Tag war ein folgenreicher Wendepunkt in ihrem bis dahin von materieller Armut, körperlicher Überbelastung und politischer Verfolgung gezeichneten Leben. Zusammen mit anderen Regimegegnerinnen und -gegnern des Nationalsozialismus wurde sie in die sowjetische Kommandantur bestellt, die sich im Rheinsberger Rathaus niedergelassen hatte. Nach einer längeren Befragung durch den sowjetischen Offizier Makarow wurde sie zur stellvertretenden Bürgermeisterin von Rheinsberg bestimmt. Ihre Laufbahn als Kommunalpolitikerin trat die ausgebil-dete Säuglingsschwester und angelernte Stenotypi-stin ohne jegliche Leitungserfahrung am 15. Mai 1945 an. Sie, der Bürgermeister Heinz Sieg und die gesamte Stadtverwaltung konnten sich im Rheins-berger Schloss einrichten. Nach einem arbeits-reichen Jahr des Neuanfangs musste sie Rheinsberg schon wieder verlassen. Trude Marx, seit dem 15. Oktober 1945 Mitglied der KPD, war für das Bürgermeisteramt in Neuruppin/ Brandenburg ausersehen worden. Der Vereinigungs-parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutsch-lands (SPD) und der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), auf dem in der SBZ die SED entstand, fand am 21. und 22. April 1946 statt. Kurz darauf, am 24 April 1946, übernahm Trude Marx als erste Frau in der Provinz Brandenburg ein Bürger-meisteramt. Wie schon zu Beginn ihrer politischen Aktivität vor knapp zwanzig Jahren in Berlin und zuletzt in Rheinsberg arbeitete sie viel mit Frauen-ausschüssen zusammen und gründete mit den Frauen z.B. eine Gruppe des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) in Neuruppin. Ihre Beschäftigungsverhältnisse wechselten in dieser Aufbruchzeit in rascher Folge. 1948 erhielt sie einen Ruf in die Zentrale Kontrollkommission der Deut-schen Wirtschaftskommission (DWK) nach Berlin. Trude Marx war alleinstehend und stellte sich jeder neuen Aufgabe mit ganzer Kraft zur Verfügung. Als Verfolgte des Naziregimes war sie mit einem Haus in der Gertraudenstraße von Hohen Neuendorf nörd-lich von Berlin entschädigt worden. Hierher, wo sie bis zuletzt lebte, zog sie sich nach arbeitsreichen Ta-gen zurück. In ihre Berliner Zeit fiel die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949. Als Mitglied der Provisorischen Volkskammer erlebte sie die Ablösung der Sowjeti-schen Militäradministration (SMAD) durch die Pro-visorische Regierung der DDR aus unmittelbarer Nähe mit. Bald schon wurde Trude Marx wieder eine neue Aufgabe übertragen. An der Charité, den Berliner Universitätskliniken, wurde sie 1950 als hauptamtliche Sekretärin der SED-Grundorganisation eingesetzt. Dass sie einmal in ihrer Geburtsstadt Berlin eine politisch so ein-flussreiche Position bekleiden würde, hätte ein paar Jahre früher wohl ihre kühnsten Hoffnungen über-stiegen. In dem neuen Tätigkeitsfeld war Trude Marx ihrem Ausbildungsberuf wieder ein Stück näher gerückt. Bevor Trude Marx die Funktion einer Parteisekretärin übernehmen durfte, musste sie sich in einem Lehrgang die Theorie des Marxismus-Leni-nismus aneignen. Mit diesem Rüstzeug war sie dann auch befähigt, an der Medizinischen Fachschule der Charité, der ehemaligen Krankenpflegeschule, den an der Lehre des Marxismus-Leninismus orientierten Unterricht in Staatsbürgerkunde zu erteilen. Bei einer Schülerin der Kinderkrankenpflege hat sie nachweislich Spuren hinterlassen und Weichen ge-stellt. Diethild Feder (geb. 5.11.1929), von 1972 bis 1986 Oberin der Charité, schrieb ihr zum 80. Ge-burtstag, dass sie als Schülerin der Kinderkran-kenpflegeschule der Charité von 1950 bis 1952 den Unterricht in Staatsbürgerkunde erhalten und im September 1951 mit einer von Trude Marx geführten Delegation französischer Frauen das ehemalige Kon-zentrationslager Ravensbrück besucht habe. Beein-druckt von diesem Erlebnis, dem Unterricht und der Person Trude Marx’, die immer für die Schülerinnen da gewesen sei, sei sie im September 1952 Kann-didatin der SED geworden. Mitglied der SED wurde Diethild Feder 1955. Im selben Jahr wurde sie als Fachrichtungsleiterin für Säuglingspflege von Berlin an die Medizinische Fachschule in Bernburg ver-setzt. Die Funktion einer hauptamtlichen SED-Parteise-kretärin, die Trude Marx in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhundert in Berlin ausgeübt hat, sollte nicht ihre letzte berufliche Station sein. Noch einmal wur-de sie in ein Bürgermeisteramt eingewiesen, dieses Mal nach Birkenwerder bei Oranienburg, einer Nachbargemeinde ihres Wohnortes Hohen Neuen-dorf. Von 1959 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1972 hat sie dieses Amt versehen. Es war die längste Periode auf einer Stelle in ihrer wechselvollen beruf-lichen und zugleich politischen Laufbahn. Bei ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben im fortgeschrit-tenen Rentenalter war seit ihrer Ausbildung zur Säuglingsschwester am KAVH in Charlottenburg ein halbes Jahrhundert vergangen. Ihren Ruhestand verbrachte sie in ihrem Haus in Ho-hen Neuendorf. Wie als junge Ehefrau in den zwan-ziger Jahren blieb sie auch als verwitwete ältere Frau politisch aktiv: als Mitglied der SED-Kreisleitung Oranienburg, als Vorsitzende des Komitees der anti-faschistischen Widerstandskämpfer/innen, im Be-zirkskomitee der SED und andernorts. Das Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer/innen gab 1977 eine Dokumentation unter dem Titel „Frauen-KZ Ravenbrück“ heraus, an deren Entste-hung Trude Marx, obwohl nicht namentlich ausge-wiesen, höchstwahrscheinlich beteiligt war. Gertrud Marx, eine Säuglingsschwester, die dem proletarischen Widerstand angehörte, hat die politi-sche Wende der DDR nicht mehr erlebt. Sie verstarb am 3. Mai 1989 in Hohen Neuendorf.

Literatur

Barth, Bernd-Rainer, Links, Christoph, Müller-Enbergs, Helmut, Wiehlgohs, Jan (Hrsg.): Wer war Wer in der DDR. Ein biographisches Handbuch. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1995. Benz, Wolfgang, Pehle Walter H. (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1999. Bundesvorstand des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) (Hrsg.): Geschichte des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands. Verlag für die Frau, Leipzig 1989. Freyberg, Jutta von, Krause-Schmitt, Ursula: Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück. Frauen im Konzentrationslager 1933-1945. Ein Lesebuch zur Ausstellung „Frauen im Konzentrationslager: Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück 1933-1945.“ Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 1997. Holleuffer, Elisabeth v.: Hauswirtschaftliche Ausbildungstätigkeit der deutschen Frauenvereine vom Roten Kreuz. In: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.): Hilfswille und Hilfswerk des Roten Kreuzes in Deutschland. Eder, München 1928, Seite 126-130. Jacobeit, Sigrid: Trude aus der Sperlingsgasse - Gertrud Marx. In: Jacobeit, Sigrid, Thoms-Heinrich, Lieselotte: Kreuzweg Ravensbrück. Lebensbilder antifaschistischer Widerstandskämpferinnen. Verlag für die Frau, 2., bearb. Aufl., Leipzig 1989, Seite 111-124 (1. Aufl. 1987). Kaiserin Auguste Victoria Haus, herausgegeben im Auftrag des Reichministeriums des Innern: Lehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. Enke, Stuttgart 1942. Kammer, Hilde, Bartsch, Elisabeth: Jugendlexikon Nationalsozialismus. Begriffe aus der Zeit der Gewaltherrschaft 1933-1945. Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main / Olten / Wien 1984, mit Genehmigung des Rowohlt Taschenbuch Verlages, Reinbek bei Hamburg 1982. Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.): Ravensbrück. Kongress-Verlag, Berlin 1960. Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.): Frauen-KZ Ravensbrück. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1977. Melzer, Ingetraut (verantwortl.), Fally-Sell, Dieter; Görner, Kurt; Jelowik, Lieselotte; Kunschke, Horst; Schröder, Horst: Staats- und Rechtsgeschichte der DDR. Grundriß. Hrsg. Vom Bereich Staats- und Rechtsgeschichte der Sektion Rechtswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Staatsverlag der DDR, Berlin 1983. NS-FrauenWarte 4 (1935/36) 19: Anzeigenteil. Anzeige der Höheren Handelsschule Dr. W. Rackow. Scholz, Hannelore: Die DDR-Frau zwischen Mythos und Realität. Zum Umgang mit der Frauenfrage in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR von 1945-1989. Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 1997. Schriftliche Mitteilung der Verwaltung der Stadt Hohen Neuendorf an d. Verf. vom 7. Juli 2003. Seidel, Kurt u.a. (Hrsg.): Im Dienst am Menschen. Erinnerungen an den Aufbau des sozialistischen Gesundheitswesens. Dietz, Berlin 1989. Wolff, Horst-Peter, Wolff, Jutta: Die Medizinischen Fachschulen der DDR als Krankenpflegeschulen - Beispiele ihrer Entstehung, ihrer differenzierten baulichen Situation und der Veränderungen ihres jeweiligen Gesamtprofils. In: Beiträge zur Pflegegeschichte in Deutschland (Teil VIII). Heft 17 der Schriften aus dem Institut für Pflegegeschichte, Qualzow 2001, Seite 26-91. Bildquelle: 1: Jacobeit, Sigrid, Thoms-Heinrich, Lieselotte: A.a.O. 2: Ebenda: Bei Trude Marx (rechts). Links im Bild Rosa Thälmann (1890-1962).

MARX, geb. GESSINGER Gertrud

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

K. Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von K. Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 192-196

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=663

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