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Who was who in nursing history: GAEBEL, Käthe
GAEBEL, Käthe
Artikel von: Karin Wittneben
Erschienen in Band 7, Seite(n) 95-99.
 

Biographie

In der entstehenden pflegegeschichtli­chen Literatur wird Käthe Gaebel seit einigen Jahren im­mer wieder erwähnt; zuerst 1984 in der immer noch bemer­kenswerten Studie von Claudia Bi­schoff, später bei Magdalene Rüben­stahl (1994), Birgit Panke-Kochinke und Mo­nika Schaidhammer-Placke (2001 und 2002), Marianne Schmidbaur (2002) sowie Schwei­khardt (2006). In der Berufs- und Frauenfor­schung nehmen auf Käthe Gaebel Bezug Ilona Ostner und Almut Krutwa-Schott (1981), Anne Schlüter (1987), Susanne Zeller (1987), Brigitte Kerchner (1992) sowie Sa­bine Hering und Cornelia Wenzel (2001). In der Ringvorlesung „Bremer Historikerinnen stellen sich vor“ im Sommersemester 1994 an der Universität Bremen wurde auch Käthe Gaebel, speziell von Eva Schöch-Quinteros, berücksichtigt. Kaiser (2005) greift in seiner Dissertation zur Rechtsgeschichte auf Käthe Gaebel als Mitglied eines Arbeitsschutzaus­schusses zurück. Neuerdings (2010) findet sie auch einen Platz in dem von Gudrun Wedel zusammengestelten Lexikon „Autobiogra­phien von Frauen“, in dem allerdings noch der Doktorvater Robert Wilbrandt für sie sprechen muss. Eine Selbstdarstellung hat sie nicht vorgelegt. In der operativen Pflege zu ihrer Zeit ist sie nicht nennenswert in Er­scheinung getreten. Den um die Wende zum 20. Jahrhundert noch wenig aussichtsreichen Pflegeberuf hat sie auf dem Weg zu neuen, herausfordernden Aufgaben als Durchgangs­beruf benutzt. In späteren Texten hat sie sich jedoch dem Pflegeberuf immer mal wieder zugewandt. Besondere Aufmerksamkeit fin­det seit etwa dreißig Jahren ihre kleine, aber dennoch höchst informative Übersichtsarbeit „Die Frau in der Krankenpflege“ (1923).

Käthe Gaebel wurde am 23. August 1879 als Tochter eines Buchhändlers in Graudenz an der Weichsel (damals Westpreußen, heute polnisch Grudziadz) geboren und evangelisch getauft. Sie wuchs in einem geistig regen, sozial empfindenden und liberal denkenden Elternhaus auf. Ihre Kinder- und Jugendjahre verbrachte sie in Danzig (heute polnisch Gdansk) und Marburg. Die Grundschulaus­bildung erhielt sie privat von ihrer Tante, die ein Lehrerinnenexamen abgelegt hatte. Als Tochter einer wohl nicht unbegüterten Fami­lie besuchte sie eine höhere Töchterschule in Marburg. In dem hier von Diakonissen ge­führten Elisabeth-Waisenhaus erlernte sie zunächst soziale Arbeit und ging dann auf ein Lehrerinnenseminar nach Freiburg im Breis­gau. Als Schwester des Johanniterordens folgte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin, die ebenfalls in einem Diakonissenhaus statt­fand. Über einen noch nicht bestimmbaren Zeitraum nahm sie die Leitung eines Kinder­heimes in Frankfurt am Main wahr. Zur Aus­heilung einer Lungenerkrankung, wahr­scheinlich einer Tuberkulose, verbrachte sie eine Zeit in Davos. Zurück in Frankfurt am Main, wurde Käthe Gaebel im „Gewerkverein der Heimarbeiterinnen“ aktiv. Im Winterse­mester 1910 nahm sie ein Studium der Volkswirtschaftslehre auf und promovierte 1912/13 summa cum laude zur Dr. rer. pol. mit einer Arbeit über „Die Heimarbeit. Das jüngste Problem des Arbeitsschutzes“ bei Prof. Robert Wilbrandt (1875-1954) an der Universität Tübingen. Damit war sie eine der ersten Frauen Deutschlands, die Nationalöko­nomie studierte. Als Leitspruch für ihre Un­tersuchung wählte sie ein Wort von Goethe: „Denn das Gesetz nur kann uns Freiheit ge­ben“. Die Studie widmete sie dem Andenken ihres früh verstorbenen Vaters. Ihr Betreuer Wilbrandt schrieb ein Geleitwort, dem zu entnehmen ist, dass seine Doktorandin ei­gentlich eine Fortsetzung seiner Schriften vornehmen sollte, aber dann doch eigene Denkwege beschritt, die er wie folgt würdigt: „Unter den Händen der selbständig arbeiten­den, die Probleme durchdenkenden Praktike­rin, die jahrelang in der Heimarbeiterbewe­gung mitgearbeitet und beobachtet, in Ersatz­einrichtungen, wie Kinderhorten und Erzie­hungsanstalten gleichfalls in praktischer Ar­beit studiert und so ein eigenes Urteil über die Bedeutung von Mutter und Kind gewonnen hatte, ist aus dem gestellten Thema ein viel größeres geworden: eine systematische Be­handlung des ganzen Problems.“

Ihr nur um vier Jahre ältere „Doktorvater“ Wilbrandt charakterisiert Käthe Gaebel als eine hervorragende, durch und durch tüchtige Frau. In der Dissertation verarbeitete sie ei­gene Berufserfahrungen und überdies auf Studienreisen gesammelte Informationen, wie zum Beispiel in England über dort eingerich­tete Lohnämter. Unter einem volkswirtschaft­lichen Blickwinkel betrachtet sie an einer Stelle auch den Kostenaufwand für die Kin­derbetreuung bei Fabrik- und Heimarbeiterin­nen sowie nicht erwerbstätigen Hausfrauen und die Versuche, die Kosten – das war da­mals nicht anders als heute – möglichst nied­rig zu halten: „Fast alle Anstalten arbeiten mit einem Personal, das trotz aller Bemühungen der Vereine, die besonders in letzter Zeit sehr anerkennenswert sind, im Verhältnis zu seiner überaus anstrengenden Arbeit sehr schlecht gestellt ist. Wenn die Diakonissen neben freier Station und Dienstkleidung, die meist auch sehr knapp berechnet ist, nur ein Jahres­gehalt von 100-200 Mk. erhalten, in der Regel daneben Altersversorgung im Feierabend­haus, so wird man das nicht als ein normales Entgeld ansehen dürfen. Andere Schwestern­häuser stellen ihre Schwestern zwar besser, doch wird das Jahresgehalt der Kinder­schwester selten wesentlich über 300 Mk. neben freier Station hinausgehen, sehr oft darunter stehen.“

Seit 1914 arbeitete sie im „Büro für Sozialpo­litik“, der gemeinsamen Geschäftsstelle der „Gesellschaft für Soziale Reform“, des „Ver­eins für Sozialpolitik“ und der Zeitschrift „Soziale Praxis“ und engagierte sich jetzt auch zunehmend in der Frauenbewegung. 1916 wurde von Käthe Gaebel mit Frauen wie Frieda Wunderlich (1887-1965) und Gertrud Israel (1882-1940) der „Deutsche Verband der Sozialbeamtinnen“ gegründet. Im „Bund Deutscher Frauenvereine“ übernahm sie von Josephine Levy-Rathenau (1877-1921) das Frauenberufsamt. Die „Frau in der Kranken­pflege“ wurde im Frauenberufsamt des Bun­des Deutscher Frauenvereine von Käthe Gae­bel bearbeitet. Um 1919 war sie hier zudem Leiterin der Auskunftsstelle für Heimarbeits­reform. 1922 folgte sie einem Ruf in die Reichsarbeitsverwaltung, wurde zur Regie­rungsrätin ernannt und 1927 zur Oberregie­rungsrätin befördert. Nur wenige Frauen fan­den zu ihrer Zeit den Aufstieg in so gehobene Verwaltungsstellen. In der Abteilung Berufs­beratung hatte sie ein spezielles, ihr offenbar zusagendes Beschäftigungsfeld gefunden. Hier erarbeitete sie berufskundliches Material (auch für die Krankenpflege) und erhob die Berufsberatung zu ihrer noch heute wichtigen Stellung. Gleichzeitig hatte sie entscheiden­den Anteil an der Gestaltung des Arbeits- und Sozialrechts und setzte sich für die Gleichbe­rechtigung der Frau bei der Tarif- und Ur­laubsgestaltung und den Arbeitsschutz für die Fabrikarbeiterin ein. Jedoch 1933 erfolgte eine wahrscheinlich politisch begründete Ver­setzung an das Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg, wo sie als Referentin für Frau­enfragen und Statistik zuständig war, und bis zu ihrer Pensionierung 1945 tätig blieb. Käthe Gaebel war, wie Maria Kado später in einem Nachruf bezeugt, weder Mitglied der Natio­nalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), noch gehörte sie einer der Organi­sationen dieser Partei an.

In ihrer publizistischen Arbeit deckte Käthe Gaebel ein breites Spektrum an Themen ab. Der Katalog der Deutschen Nationalbiblio­thek verzeichnet von ihr achtzehn Bücher. Der Schwerpunkt lag aber wohl auf dem Ab­fassen von Zeitschriftenartikel. Allein für die „Soziale Praxis“, deren Mitherausgeberin sie vorübergehend war, schrieb sie 113 Beiträge. In der deskriptiven Schrift „Die Frau in der Krankenpflege“ legt Käthe Gaebel auf 25 Seiten ohne jeden normativen Einschlag knapp und klar die Bedeutung der Kranken­pflege als Frauenberuf, eine Berufsbeschrei­bung, Anforderungen des Berufs, reichs- und landesgesetzliche Regelungen der Aus- und Fortbildung sowie Aufstiegsmöglichkeiten und Berufsaussichten selbst im Auslands­dienst vor. Das zweite Hauptkapitel gewährt einen Überblick über die Organisation der Krankenpflege auf dem Stand von 1923. Die Verfasserin unterscheidet die Krankenpflege im Mutterhaussystem, Übergangsformen wie in der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonieverein und Städtischen Schwestern­schaften vom Roten Kreuz, die Kranken­pflege als freien Beruf wie Städtische und Staatliche Schwesternschaften, Universitäts­schwesternschaften und die Caritasvereini­gung für Landkrankenpflege und schließlich Berufsorganisationen. Die Broschüre enthält Hinweise auf zeit- und berufsnahe Zeitschrif­ten sowie auf Bücher, wie etwa von Charlotte von Caemmerer (1875-1962)  und Dr. Ullinca Maes „Die Schwestern in den Kran­kenanstalten Deutschlands – Volkswirtschaft­liche Studie“ (Berlin 1922).

Eine weitere Schrift, die vom Berufskundli­chen Ausschuss bei der Reichsarbeitsverwal­tung herausgeben und von Käthe Gaebel als Regierungsrätin bei eben dieser Behörde be­arbeitet wurde, trägt den selbstbewussten Ti­tel „Die krankenpflegerischen Nebenberufe“ (1925). Darunter erläutert die Autorin auf 46 Seiten den Beruf des Irrenpflegers / der Irren­pflegerin (heute Fachpfleger/in für Psychiat­rie), der Hebamme, der Säuglings- und Klein­kinderpflegerin (heute Kindergesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in), der Wochen­pflegerin (heute in die Gesundheits- und Krankenpflege eingegliedert), der Heilgym­nastin (heute Physiotherapeut/in), der Krüp­pelpflegerin (heute Heilserziehungspfle­ger/in), des Masseurs/der Masseurin und des Desinfektors (heute Hygienefachpfleger/in). Jeder Beruf wird möglichst unter einheitli­chen Gesichtspunkten beschrieben, und zwar werden nacheinander aufgeführt; eine Ar­beitsbeschreibung, körperliche und geistige Anforderungen, Vor- und Ausbildung, wirt­schaftliche und soziale Verhältnisse, jeweils unterschieden nach einzelnen Bundesstaaten; schließlich folgen Hinweise auf einschlägige Verbände und Fachliteratur. Für die Ausbil­dung zur Säuglingspflegerin werden außer­dem staatlich anerkannte Schulen in den ein­zelnen Bundesstaaten aufgeführt, für Preußen sogar untergliedert nach Regierungsbezirken von Königsberg (heute russisch Kaliningrad) bis Münster in Westfalen und der Stadtge­meinde Berlin. Auch hier bildet sich ihr be­sonderes Interesse an der damals noch hoch gefährdeten Pflege von Säuglingen und Kleinkindern ab.

In der Monatszeitschrift „Die Arbeit“, die seit Juli 1924 vom Allgemeinen Deutschen Ge­werkschaftsbund (ADGB), dem Dachverband der Freien Gewerkschaften, herausgegeben wurde, war Käthe Gaebel eine angesehene Autorin. Hier schrieb sie über „Die Gewerk­schaften und die Berufsberatung“. Auch ihr Mentor Wilbrandt veröffentlichte in der „Ar­beit“. Unter den Hochschullehrern seiner Zeit war er eine Ausnahmeerscheinung. Er galt als einer der „Kathedersozialisten“. Als Autor der „Arbeit“ aber war er der richtige Mann. Viele Autoren und Autorinnen der Zeitschrift mussten Deutschland nach 1933 verlassen. Der erste und letzte Redakteur dieser Ge­werkschaftszeitschrift, Lothar Erdmann, ver­starb 51-jährig am 18. September 1939 an den Folgen schwerer Folterungen im KZ Sach­senhausen.

Neben einer intensiven Publikationsarbeit bestritt sie auch eine breite Vortragstätigkeit. In einer von den Lehrkörpern der hamburgi­schen Berufs- und Fachschulen für Mädchen veranstalteten Vortragsreihe sprach sie über „Berufslehre und Arbeitspraxis der weibli­chen Jugend“. Der Vortrag erschien in dem von Olga Essig (1884-1965) herausgegebenen Sammelband „Frauenarbeit und öffentliche Berufserziehung in Hamburg“ (1929). Olga Essig baute das Hamburger Berufsschulwesen für Mädchen auf. In einer Zusammenarbeit der Reichsarbeitsverwaltung und des Zentra­linstituts für Erziehung und Unterricht gab Käthe Gaebel 1927 mit Dr. Willy Hellpach (1877-1955) von der Deutschen Demokrati­schen Partei (DDP) und Richard Liebenberg den Sammelband „Die Schule im Dienst der Berufserziehung und Berufsberatung“ heraus. An Dutzenden von kleinen Krankenpflege­schulen, den so genannten Zwergschulen, lief eine pflegeberufspädagogische Entwicklung, die bei Käthe Gabel in guten Händen gewesen wäre, damals noch gänzlich vorbei.

Schon als Krankenpflegerin war Käthe Gae­bel Mitglied im Naumann-Kreis geworden. Dieser Kreis bildete ein soziales Netzwerk, das sich im späten Kaierreich um den frühe­ren Pfarrer und späteren Politiker Friedrich Naumann (1860-1919) gesammelt hatte und aus dessen Mitte 1896 der „Nationalsoziale Verein“ (NsV) hervorging. In liberal-sozialer, bürgerlicher Einstellung und speziell als Jo­hanniterschwester stand Käthe Gaebel damals auch einer Beteiligung der Frau an der Kriegskrankenpflege nicht unbedingt distan­ziert gegenüber, wie in dem Quellen- und Fotoband „Frontschwestern und Friedensen­gel“ (2002) kritisch angemerkt wird. Tatsäch­lich spricht sich Käthe Gaebel 1915 im „Jahr­buch der Frauenbewegung“ für einen Einsatz von Krankenpflegerinnen in der Kriegskran­kenpflege aus: „Wer soll es da uns Kranken­pflegerinnen verdenken, wenn in uns der heiße Wunsch nach stärkerer Verwendung in den Feld- und Kriegslazaretten aufsteigt“.

Der sachlich und klar strukturierte Artikel ist nicht als ein aufrüttelnder Weckruf zur Kriegskrankenpflege zu verstehen und so auch der wiedergegebene Ausspruch eher wie der Ausruf einer engagierten Frau und Bürge­rin.

Wie Käthe Gaebel die Jahre unter der NS-Herrschaft verbracht hat, lässt sich vorerst nur in groben Zügen nachzeichnen. Eine publi­zistische Tätigkeit konnte sie wenigstens auf­rechterhalten. Unter der Nazi-Herrschaft hörte die „Gesellschaft für Soziale Reform e.V.“ 1936 auf zu bestehen, konnte aber das „Büro für Sozialpolitik weiterführen und bis 1943 auch die „Soziale Praxis“ herausgeben. Die Zeitschrift blieb jedoch von der nationalsozi­alistischen Ideologie, wie Sabine Hering und Cornelia Wenzel herausgearbeitet haben, nicht unbeeinflusst.

Im Berliner Adressbuch von 1943 ist Dr. Käthe Gaebel als Oberregierungsrätin ver­zeichnet, wohnhaft in Berlin-Steglitz, Breite Straße 31. Sie war 1934 von Berlin-Friedenau in den Stadtteil Steglitz umgezogen. Die Breite Straße ist noch immer (2012) eine ge­pflegte Wohnstraße mit Kopfsteinpflaster, altem Baumbestand und Wohnhäusern aus der Vor- und Nachkriegszeit. Die Breite Straße, seit 1978 so benannt, war lange Zeit die brei­teste Straße des damaligen Villenortes Steglitz.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes gehörte Käthe Gaebler dem von Agnes von Zahn-Harnack (1884-1950) initiierten „Berli­ner Frauenbund 1945 e.V.“ an, der an die Tradition des 1933 aufgelösten Bundes Deut­scher Frauenvereine anknüpfte. In diesem Bund hatte Käthe Gaebel seinerzeit das Frau­enberufsamt übernommen. Nach wie vor be­vorzugte sie offenbar die Nähe bedeutender Frauen aus der damaligen bürgerlichen Frau­enbewegung. Auch nach ihrer Pensionierung setze sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Lankwitz und am Seminar für Soziale Arbeit fort. Ehemalige Schülerinnen und Mitarbeiterinnen erwiesen Käthe Gaebel zum 80. Geburtstag innige Zu­neigung und hohe Wertschätzung. Käthe Gaebel zeigte äußerlich ein eher herbes We­sen, aber sie sei, wie Maria Kado, eine promi­vierte Juristin, die Käthe Gaebel offenbar per­sönlich gekannt hat, in einem Nachruf bestä­tigt, „von nie erlahmender Liebe und Hilfsbe­reitschaft für alle hilfsbedürftigen Mitmen­schen“ erfüllt gewesen.

Wie Hanna Stoltenhoff (1913-1993)  schon vor fünfzig Jahren berichtet hat, war der Lehrplan für den ersten Jahreslehrgang zur Ausbildung von Schwestern für leitende Stellungen 1927 an der Werner-Schule in Berlin in Verbindung mit der Vertreterin der 1925 gegründeten und von Alice Salomon (1872-1948)  geleiteten Deutschen Aka­demie für soziale und pädagogische Frauen­arbeit am Pestalozzi-Fröbel-Haus entworfen und in Zusammenarbeit mit dieser Frauen­akademie durchgeführt worden. Der Lehrgang zur leitenden und lehrenden Schwester blieb noch über Jahrzehnte auf dem Niveau einer beruflichen Weiterbildung stehen. 1984 wurde die Alice-Salomon-Hochschule (ASH), einer Nachfolgeeinrichtung der ehemaligen Deutschen Akademie für soziale und pädago­gische Frauenarbeit, ein Studiengang für Pflege / Pflegemanagement eingerichtet. Ob Käthe Gaebel auch noch an der im August 1943 ausgebomten Berliner Werner-Schule unterrichtet hat, muss einstweilen ein weiteres Forschungsdesiderat bleiben.

Käthe Gaebel verstarb am 22. März 1962 in Berlin und wurde auf dem Friedhof Wilmers­dorf eingeäschert unter starker Beteiligung von Angehörigen des Berliner Frauenbundes 1945, des Akademikerinnen-Bundes, des Verbandes der Berufstätigen Frauen und des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Pastor Friedrich von der Matthäuskirche in Steglitz fand für sie einfühlsame und anerkennende Worte. Ihr Todestag jährte sich im Jahre 2012 zum fünf­zigsten Mal.


Literatur

Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung (AdsD), Bonn (Godesberger Allee 149, D-53175 Bonn): Nachlass Lothar Erdmann, I/LEAA000040.

Bischoff, Claudia: Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Frauenberufstä­tigkeit im 19. Und 20. Jahrhundert. Campus. Frank­furt am Main, New York 1984.

Fischer, Ilse: Die Arbeit. Zeitschrift für Gewerk­schaftspolitik und Wirtschaftskunde. Das theoreti­sche Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerk­schaftsbundes (ADGB) 1924-1933.

Gaebel, Käthe: Die Heimarbeit. Das jüngste Problem des Arbeiterschutzes. Fischer. Jena 1913.

Gaebel, Käthe: Die Beteiligung der Frau an der Kriegskrankenpflege. In: Jahrbuch der Frauenbe­wegung 1915, Seite 41-49 (Auszug in: Birgit Panke-Kochinke / Monika Schaidhammer-Placke: Frontschwestern und Friedensengel. Kriegskran­kenpflege im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ma­buse. Frankfurt am Main 2002, Seite 42-45).

Gaebel, Käthe (unter Mitwirkung von Else Sander): Die Frau in der Krankenpflege (Schriften des Be­rufskundlichen Ausschusses bei der Reichsarbeits­verwaltung, Heft 2). Bensheimer. Mannheim, Ber­lin, Leipzig 1925.

Gaebel, Käthe: Die Gewerkschaften und die Berufsbe­ratung. In: Die Arbeit. Zeitschrift für Gewerk­schaftspolitik und Wirtschaftskunde. Verlagsgesell­schaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts­bundes, Berlin, 1. Jg., 1924, Seite 214-217.

Gaebel, Käthe: Die krankenpflegerischen Nebenberufe Krankenpflege (Schriften des Berufskundlichen Ausschusses bei der Reichsarbeitsverwaltung, Heft 4). Bensheimer. Mannheim, Berlin, Leipzig 1925.

Hering, Sabine / Wenzel, Cornelia: Frauenbewegung und soziale Praxis (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Band 13). Archiv der deutschen Frauenbewegung. Kassel 2001, Seite 57.

Kado, Maria: Eine Steglitzer Sozialpädagogin verstor­ben. In: Steglitzer Anzeiger vom 7. April 1962 (Ar­chiv des Heimatvereins Steglitz e.V., Signatur SA 945).

Kaiser, Christian: Kündigungsschutz ohne Prinzip. Dissertation. Mohr Siebeck. Tübingen 2005.

Kauperts Straßenführer durch Berlin. Kaupert Media. Berlin 2012.

Kerchner, Brigitte: Beruf und Geschlecht. Frauenbe­rufsverbände in Deutschland 1848-1908. Vanden­boeck & Ruprecht. Göttingen 1992.

Ostner, Ilona, Krutwa-Schott, Almut: Krankenpflege – ein Frauenberuf? Campus. Frankfurt am Main, New York 1981.

Panke-Kochinke, Birgit: Die Geschichte der Kranken­pflege (1679-2000). Ein Quellenbuch. Mabuse. Frankfurt am Main 2001.

Rübenstahl, Magdalene: „Wilde Schwestern“. Kran­kenpflegereform um 19000. Mabuse. Frankfurt am Main 1994.

Schlüter, Anne: Neue Hüte – alte Hüte? Gewerbliche Berufsbildung für Mädchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zur Geschichte ihrer Institutionalisie­rung. Schwann. Düsseldorf 1987.

Schmidbaur, Marianne: Vom „Lazaruskreuz“ zu „Pflege aktuell“. Professionalisierungsdiskurse in der deutschen Krankenpflege 1903-2000. Helmer. Königstein im Taunus 2002.

Schweikardt, Christoph: Die Entwicklung der Kran­kenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. Und frühen 20. Jahrhundert. Habilitationsschrift für das Fach Geschichte, Theorie und Ethik der Medi­zin an der Ruhr-Universität Bochum. Bochum 2006.

Stoltenhoff, Hanna: Der Weg der Werner-Schule vom Roten Kreuz. In: Oberinnenvereinigung im Deut­schen Roten Kreuz (Hrsg.): Der Ruf der Stunde. Schwestern unter dem Roten Kreuz. Kohlhammer. Stuttgart 1963, Seite 56-72.

Wedel, Gudrun: Autobiographien von Frauen. Ein Lexikon. Böhlau. Köln, Weimar 2010.

Zeller, Susanne: Volksmütter. Frauen im Wohlfahrts­wesen der zwanziger Jahre. Schwann. Düsseldorf 1987.

Bildquelle: Hering, Sabine / Wenzel, Cornelia: Frau­enbewegung und soziale Praxis. Kassel 2001, Seite 57.

GAEBEL, Käthe

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Karin Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Karin Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 95-99

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=412

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