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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: ECKERT, Mina
ECKERT, Mina
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 65-68.
 

Biographie

Die Evangelische Diakonieschwestern­schaft Herrenberg-Korntal (etwa 30 Kilometer südwest­lich von Stuttgart in Baden-Württemberg gelegen) – ein freies Werk der Evangeli­schen Landeskirche in Württemberg und dem Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg und (seit 1931) dem Zehlendorfer Verband für evangelische Dia­konie angehörend – ist nach ihrem Selbstver­ständnis eine Gemeinschaft von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche, die in der ambulanten und stationären Pflege kran­ker, alter und behinderter Menschen sowie in der Unterstützung von Familien in Krisensitu­ationen ihre Hauptaufgabe sehen, die sich und ihren Dienst an Jesus Christus ausrichten und dadurch Diakonie sichtbar machen. Zur Gründung der Vereinigung, die heute Träge­rin von vier Alten- und Pflegeheimen ist und sich auch in der Hospizarbeit engagiert, kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Notlage kranker Menschen, besonders in den Landgemeinden, für die – wenngleich es in Herrenberg schon seit 1896 ein kleines Be­zirkskrankenhaus gab – keine Hilfe durch Schwestern gefunden wurde.

Eine Zusammenkunft der Pfarrer des Herren­berger Kirchenbezirks im Sommer 1907 be­schäftigte sich deshalb mit dem Thema „Die Not der unversorgten Kranken in den Be­zirksgemeinden“. Unter den Teilnehmer war auch Gustav Fischer (1853-1942) , da­mals Gemeindepfarrer in Hildrizhausen (Landkreis Böblingen), der über das Beispiel Balingen berichtete, das Hilfe vom Mutter­haus der Olga-Schwestern [Olga Niko­lajewna, Königin von Württemberg (1822-1892 ] aus Stuttgart erhielt. Er wurde damit beauftragt, sich umzuhören, wie man Abhilfe finden könnte. Ein erster Schritt war die Gründung des „Bezirkskrankenpflegever­eins Herrenberg“ am 1. Januar 1908, dessen Geschäftsführung in Händen von Pfarrer Fischer lag. Nachdem sich daraufhin einige freie evangelische Schwestern zur Verfügung stellten, war eine erste, aber längst nicht aus­reichende Schwesternhilfe für einige Ge­meinden gegeben. Von daher gründete Gustav Fischer – er war damals bereits 60 Jahre alt – am 16. Juni 1913 einen neuen Verein, der am 23. Juni 1913 den Namen „Herrenberger Ver­band für besoldete Krankenpflegerinnen von christlicher Gesinnung“ erhielt. Die Leitung des Verbandes, der nach seiner am 8. Juni 1914 verabschiedeten Satzung „Mädchen und kinderlose Witwen“ zu gewinnen suchte, „die aus Liebe zu Gott und Christus und in treuer Zusammenarbeit mit der evangelischen Kir­che ihren notleidenden Nächsten dienen wol­len“, lag wiederum in Händen von Pfarrer Fischer, der als Geschäftsführer dem Werk bis zu seinem 82. Lebensjahr vorstand.

Das besondere dabei war, dass dieses Werk von vornherein eine andere Struktur – sozu­sagen eine zweite Form evangelischen Schwesterndienstes – erhalten sollte als die bestehenden Diakonissenmutterhäuser [Theo­dor Fliedner (1800-1864) , Wilhelm Löhe (1808-1872) ]. Man hatte offenbar erkannt, dass aus mancherlei Gründen nicht alle Mädchen, die bereit waren, im Rahmen eines evangelischen Mutterhauses dem kran­ken Menschen zu dienen, auch Diakonisse werden wollten. Die Herrenberger Schwestern waren daher nicht durch ein Gelübde lebens­lang verpflichtet, auf Dauer beim Verband zu bleiben. Sie waren nicht nur Mitglieder der Ortskrankenkasse, sondern auch der Reichs­versicherung für Angestellte und hatten eine Haftpflicht- und Unfallversicherung. Darüber hinaus wollte eine besondere Hilfskasse des Herrenberger Verbandes die Lücken der übri­gen Versicherungen ausfüllen und besonders für das Alter der Schwestern sorgen. Zur neuen Form gehörte auch der Verdienst, der ein unabhängiges Leben – auch im Ruhestand – möglich machte.

Die Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart [Paul von Sick (1836-1900) , Charlotte Louise Reihlen (1805-1868) , Marie Eckert (1827-1866) , Sophie Zillinger (1820-1908) , Marie Gräfin von Tauben­heim (1843-1919) , Karl Philipp Hoff­mann (1822-1912) ] erbot sich, dem neuen Verband das Herrenberger Kreiskran­kenhaus zur Ausbildung von Schwestern, zunächst durch seine Diakonissen, zur Verfü­gung zu stellen. Mit drei Schülerinnen wurde so am 16. Oktober 1913 eine bis heute beste­hende Krankenpflegeschule eröffnet, wobei die Anleitung der Krankenpflegeschülerinnen zunächst in Händen von Schwester Maria Knauß, einer Stuttgarter Diakonisse, lag.

Den Ersten Weltkrieg (1914-1918) überstand der neue Verband nicht nur unbeschadet, er war sogar gewachsen. Der erste Jahresbericht nach dem Krieg erwähnt 58 Schwestern in 50 Gemeindepflegen, zwei Krankenhäusern und zwei Anstalten der Inneren Mission. Im Her­renberger Krankenhaus konnten nun die Stuttgarter Diakonissen von Herrenberger Schwestern abgelöst werden; alsbald über­nahmen diese auch das Kreiskrankenhaus Welzheim.

Ein Mutterhaus gab es damals noch nicht. Um der Schwesternschaft einen äußeren und vor allem inneren Zusammenhalt zu verschaffen, gab Gustav Fischer seit 1919 das Mitteilungs­blatt „Blätter für die Herrenberger Schwes­tern“ heraus, die – abgesehen von den Jahren 1938 bis 1945 – unter wechselndem Namen („Grüße aus dem Herrenberger Mutterhaus“, 1958-1967 „Diakonie in unserer Zeit. Nach­richten aus der Evangelischen Diakonie­schwesternschaft Herrenberg“, ab 1967 „Her­renberger Beiträge zur Diakonie in unserer Zeit“) bis in die Gegenwart erscheinen. Zu dem Nachrichtenblatt kam im Jahre 1920 als weitere Hilfe zur Gemeinschaft der Schwes­tern untereinander und als äußeres Kennzei­chen neben der Herrenberger Schwestern­tracht, die sich auch erst allmählich klar her­ausbilden musste, das Herrenberger Schwes­ternkreuz, auf dessen Rückseite die Bibel­stelle 1. Joh. 3,16, das Losungswort der Schwesternschaft, steht: „Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen.“

Im Jahre 1920 erhielt der Verband auch einen neuen, seinen zweiten Namen: „Herrenberger Verband für evangelische Krankenschwes­tern“. Zugleich bekam die Schwesternschaft mit Mina Eckert ihre erste Oberin, die als „eine erfahrene und bewährte Herrenberger Schwester und langjährige Beraterin von Pfar­rer Fischer“ galt. Geboren am 8. November 1878 in Stuttgart, ist über die Kindheit, Ju­gend und Ausbildung von Mina Eckert nichts bekannt. In ihre Amtszeit als Oberin fiel der lang ersehnte Bau eines Mutterhauses. Nach­dem hierfür die Stadt Herrenberg unentgelt­lich ein Grundstück zur Verfügung stellte, beschloss die Mitgliederversammlung am 26. Januar 1922 das Bauvorhaben, wobei das neue Gebäude bereits am 29. Oktober 1922 mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche eingeweiht werden konnte. Unter Mina Eckert erweiterten sich auch die Arbeitsgebiete im­mer mehr. So bat 1923 das von Robert Bosch (1861-1942) gegründete Homöopathische Krankenhaus in Stuttgart mit dem leitenden Arzt Dr. Alfons Stiegele (1871-1956) um Herrenberger Schwestern.

Infolge ihrer angegriffenen Gesundheit trat Mina Eckert nach elfjährigem Wirken als Oberin im Frühjahr 1931 in den Ruhestand. Sie starb hochbetagt am 24. April 1970 in Herrenberg im 92. Lebensjahr. Zu ihrer Nach­folgerin berief man Gertrud Traub (1897-1978) , die als Oberin der Schwestern­schaft am 13. September 1931 eingeführt wurde. Unter der neuen Oberin wagte die Schwesternschaft 1931 die Übernahme des Kreiskrankenhauses in Waiblingen mit seiner Krankenpflegeschule. Seit 1934 widmeten sich die Herrenberger Schwestern auch der Pflege und Betreuung alter Menschen. Am 10. Juli 1938, dem Festtag zum 25-jährigen Bestehen der Vereinigung, arbeiteten 279 Schwestern auf 112 Stationen: in 85 Gemein­den, neun Krankenhäusern, acht Altenheimen und einigen weiteren Arbeitsgebieten. Im Zweiten Weltkrieg wirkten „eine ganze An­zahl“ Herrenberger Schwestern im Lazarett­dienst, insbesondere in Straßburg. Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945), im Jahre 1941, änderte sich der Name der Schwesternschaft  ein weiteres Mal, und zwar in „Herrenberger Verband für Evangelische Diakonie“. Damit wollte man sich bewusst als Werk der Kirche und Teil ihres Dienstes am leidenden Menschen zeigen.

Im 50. Jahr ihres Bestehens (1963) gehörten zur Herrenberger Diakonieschwesternschaft unter Leitung von Oberin Ursula Löffler, die am 27. Oktober 1963 ihr Amt angetreten hatte, nahezu 500 Schwestern, die überwie­gend in sechs Krankenhäusern, acht Alten­heimen, 66 Gemeindestationen und acht Al­tenheimen arbeiteten. Einen Tag vor den Fei­erlichkeiten hatte die Mitgliederversammlung den künftigen Namen der Schwesternschaft beschlossen: „Evangelische Diakonie­schwesternschaft Herrenberg e.V.“. Diese erneute Umbenennung sollte die Eigenart der Herrenberger Schwestern zum Ausdruck bringen: Sie sind keine Diakonissen, auch keine freiberuflichen evangelischen Schwes­tern, sondern tun ihren Dienst als Diakonie­schwestern der evangelischen Kirche. Seit 1967 gab es die erste verheiratete aktive Her­renberger Schwester, deren Zahl im Laufe der Zeit zunahm.

Am 8. Mai 1988 konnte die Gemeinschaft mit Oberin Gretel Haussmann ihr 75-jähriges Jubiläum feiern. Damals arbeiteten 350 exa­minierte Herrenberger Schwestern insbeson­dere an drei Krankenhäusern (Kreiskranken­haus Herrenberg, Evangelisches Krankenhaus „Siloah“ Pforzheim, Robert-Bosch-Kranken­haus Stuttgart), in vier Alten- und Pflegehei­men (in Herrenberg, Kirchheim, Ulm und Dornstadt), im Krankenhaus der Anstalt für Behinderte in Stetten, in verschiedenen Dia­koniestationen in der Gemeindekranken­pflege).


Literatur

Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg e.V. [Hrsg.:] Schwesternschaftsordnung. [Selbst­verlag]. Herrenberg [1983] (13 Seiten).

[Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg e.V. (Hrsg.):] Eine Brücke zwischen Schule und Beruf. Pflegevorschule der Evangelischen Diako­nieschwesternschaft Herrenberg. [Selbstverlag]. Herrenberg [1965] (2 Seiten).

Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal e.V. (Hildrizhauser Straße 29, D – 71083 Herrenberg): Schriftliche Mitteilungen an den Ver­fasser vom 10. Dezember 2008 und 2. Januar 2009.

Morlock-Gulitz, Renate: 75 Jahre Gottes gutes Geleit. Geschichte der Schwesternschaft [Herrenberg] 1913-1988. In: 75 [Fünfundsiebzig] Jahre Evangeli­sche Diakonieschwesternschaft Herrenberg e.V. 1913-1988 (Herrenberger Beiträge zur Diakonie in unserer Zeit). Herausgegeben von der Evangeli­schen Diakoniegemeinschaft Herrenberg. [Selbst­verlag]. Herrenberg 1988, Seite 6-15.

Kittel, Andreas: Diakonie in Gemeinschaft. 150 Jahre Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart 1854-2004. Herausgegeben von Friedrich G. Lang. Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart. Stuttgart 2004, Seite 37.

Ris, Otto: Die evangelische Diakonissenanstalt in Stuttgart 1854-1929. J. F. Steinkopf. Stuttgart 1929, Seite 18 und Seite 51.

Traub, Gertrud: Kleine Chronik zum 50. Geburtstag der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Her­renberg. [Herausgegeben von der von der Evangeli­schen Diakoniegemeinschaft Herrenberg. Selbst­verlag. Herrenberg 1963].

www.evdiak.de/Geschichte.35.0.html [04.01.2009].

www.gaeubote.de/pipeline/index.php?&kat=68&artikel=126 [30.10.2008].

www.tagungsstaette-herrenberg.de [30.10.2008].

www.zehlendorfer-verband.de/gemeinschaften/ev-diakonieschwesternschaft-herrenberg-korntal.html [30.10.2008].

Bildquelle: 75 [Fünfundsiebzig] Jahre Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg e.V. 1913-1988. Herrenberg 1988, Seite 7.

ECKERT, Mina

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 65-68

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=402

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