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Who was who in nursing history: KO?HLER, Elisabeth (Edith)
KO?HLER, Elisabeth (Edith)
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 45.
 

Biographie

Elisabeth (Edith) Köhler wurde am 27. September 1860 in Marienwerder in Westpreußen geboren. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Der Überlieferung nach wurde sie sogenannte „Viktoria-Schwester“. Aus dem „Berliner Verein für häusliche Gesundheitspflege“ war 1882 der „Verein Viktoriahaus für Krankenpflege“ hervorgegangen, benannt nach der Kronprinzessin Victoria (1840-1901), Tochter der britischen Königin Victoria I. (1819-1901), und unter ihrem Protektorat stehend. Er ließ seine Mitglieder in den ersten Jahren in London an der von Florence Nightingale (1820-1910)  gegründeten, berühmten Krankenpflegeschule am St. Thomas-Hospital ausbilden. Aus dieser Schule ging unter anderem die Oberin Luise Fuhrmann hervor, unter der sich der Verein 1884 dem städtischen Krankenhaus im Friedrichshain anschloss und die unentgeltliche Ausbildung von Viktoria-Schwestern übernahm. Es handelte sich um Frauen und Mädchen mit höherer Schulbildung, die nicht durch ihre Konfession an ein Mutterhaus gebunden waren, sondern sich nach ihrem britischen Vorbild als Vertreterinnen eines achtbaren bürgerlichen Frauenberufes verstanden, dessen Ruf sie durch ein hohes Anforderungsniveau an ethische Normen und fachliches Können weiter zu heben bemüht waren. Das ließ sie mitunter in den Augen anderer Pflegerinnen als exklusiv und elitär erscheinen, denn von staatlicher Seite waren in Deutschland bis 1906  überhaupt noch keine Qualifikationsanforderungen an Krankenschwestern oder -pfleger gesetzlich formuliert worden.

Offensichtlich stand Elisabeth (Edith) Köhler der Oberin dieser Schwesternschaft, Luise Fuhrmann, nahe, der sie als „Hausschwester“ diente. Als diese ihr Amt niederlegte, suchte Koehler sich ein anderes Betätigungsfeld. Am 20. Juli 1896 wurde sie als Oberschwester im Städtischen Krankenhaus Moabit (heute Krankenhaus Moabit, Städtisch-Diakonisches Gesundheitszentrum) eingestellt. Neben der Tätigkeit auf der Station 35, so berichtete sie anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtischen Schwesternschaft, wurde ihr die Aufsicht über die weiblichen Pflegekräfte übertragen. Zunächst hatte sie jedoch einige Wochen in der Koch- und in der Waschküche sowie im Büro und im „Wirtschaftsbetrieb“ gearbeitet, um die verschiedenen Bereiche des Krankenhauses kennen zu lernen. Nach einiger Zeit zog sie weitere Oberschwestern aus dem Viktoria-Haus zur Organisation der „Schwesternpflege“ in Moabit heran.

Im Jahre 1904 wurde sie zur Oberin der „Städtischen Schwesternschaft“ bestellt, an deren Gründung sie, wie Manfred Stürzbecher in dem Buch „125 Jahre Krankenhaus Moabit“ berichtet, „eine wichtige Rolle“ spielte. Bereits vor der offiziellen Gründung der Städtischen Schwesternschaft, deren Geschichte bis heute wenig erforscht ist, wurde unter ihrer Regie von ehemaligen Viktoria-Schwestern die Infrastruktur für die Schwesternpflege mit Unterstützung insbesondere von Prof. Dr. Rudolf von Renvers, Leiter der I. Inneren Abteilung in den Jahren 1893-1909, und Heinrich Merke, Verwaltungsdirektor 1872-1902, aufgebaut. Den Ausführungen Stürzbechers zufolge hatte Köhler scheinbar auch Verbindungen zur Medizinalbürokratie, denn „nicht ohne Stolz“ habe sie 1929 berichtet, nach dem Erlass der ersten Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Krankenpflegerinnen 1906, die erste staatliche Krankenpflegeprüfung in Deutschland sei im Krankenhaus Moabit abgehalten worden. Hierzu führte sie weiter aus: „Bis 1906 hatten wir sämtliche inneren Männerstationen sowie die innere und chirurgische Frauen- und Kinderstation mit Oberschwestern und Schwestern besetzt. Überall empfingen die Kranken die Schwestern mit großer Freude. Bis 1914 waren dann auch die letzten chirurgischen Stationen mit Schwestern besetzt.“

Nach Angaben von Stürzbecher in der „Festschrift zum 100jährigen Bestehen“ des Städtischen Krankenhauses Moabit (1872-1972) war die „Pflegerinnenschule der Stadt Berlin in Moabit“ bereits im März 1904 eröffnet worden. Zugleich sei damals eine „Satzung für die Ausbildung und Anstellung von Schwestern für den Krankenpflegedienst der Stadt Berlin“ in Kraft gesetzt worden. Als Bedingung zur Aufnahme „für Mädchen und unabhängige Frauen ohne Unterschied des Bekenntnisses“ in die „Städtische Schwesternschaft“ waren dabei festgesetzt worden: „1. unbescholtener Ruf, 2. bei Eintritt ein Alter nicht unter 20 und nicht über 35 Jahren, 3. guter Gesundheitszustand, 4. eine ausreichende allgemeine Bildung.“ Diese Statuten zeigten, so Stürzbecher, dass in Anlehnung an die Regelung bei den Viktoria-Schwestern der Versuch unternommen wurde, ohne Schaffung eines Mutterhauses eine Schwesternschaft zu bilden, die eine geordnete Krankenpflege in den Städtischen Krankenhäusern sicherstellte. Da Köhler in enger Verbindung zu Agnes Karll (1868-1927)  gestanden habe, sei anzunehmen, „daß die Entwicklung der Schwesternschaft der Stadt Berlin im Krankenhaus Moabit im Zusammenhang mit der Frauenbewegung einerseits und mit den Aktivitäten zur Konsolidierung des weltlichen Krankenpflegeberufes in Deutschland stand.“

Auf die Verbindung zwischen Agnes Karll und Elisabeth (Edith) Köhler hatte bereits 1977 Anna Sticker (1902-1995)  in ihrem Buch „Agnes Karll. Die Reformerin der Krankenpflege“ hingewiesen. Demnach hatte Köhler sich Anfang März 1911 Agnes Karll gegenüber bereit erklärt, als Beisitzerin im Vorstand der „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (B.O.K.D.)“ mitzuarbeiten.

Darüber hinaus waren in einem besonderen Statut über die Oberin – Elisabeth (Edith) Köhler – weitere Bestimmungen erlassen worden. Dieselbe wurde, wie Stürzbecher berichtet, auf Vorschlag der Krankenhausdirektion von der Deputation gewählt und mit einem Privatdienstvertrag mit dreimonatiger Kündigungsfrist angestellt. Nach Paragraph 2 war die Oberin „die unmittelbare Vorgesetzte der Schwesternschaft sowie der im Schwesternheim angestellten Dienstboten. Sie hatte insbesondere im Auftrag der Direktion: „a.) nach einem von dieser festgesetzten Arbeits- und Studienplan die Ausbildung und Fortbildung der Angehörigen der Schwesternschaft zu leiten; b.) den Dienst im Schwesternheim zu regeln und der Direktion Vorschläge für die Besetzung der Krankenstationen mit Pflegerinnen zu machen; c.) die Führung der Mitglieder der Schwesternschaft zu überwachen und die Vertretung bei Beurlaubungen zu regeln.“

Für das in zahlreichen Auflagen erschienene, von Ludwig Pfeiffer 1883 begründete und später von Robert Eberle herausgegebene „Taschenbuch der Krankenpflege für Krankenpflegeschulen. Für Ärzte und für die Familie“ verfasste Elisabeth (Edith) Köhler (seit der fünften Auflage 1908) den Beitrag „Die Krankenwartung“, in dem sie zunächst die „Reinlichkeitspflege an den Kranken und am eigenen Körper“ behandelt. Neben einer Anleitung zur Grundpflege einschließlich der Dekubitusprophylaxe thematisiert sie sodann die Versorgung der Patienten mit Wäsche und Kleidung, bevor sie auf die „Lagerung und Umbettung“ der Kranken zu sprechen kommt. Einen eigenen Abschnitt widmet sie schließlich dem stationären Krankentransport, wobei sie (in den Auflagen bis Anfang der 1920er Jahre) auch die „Bestimmungen für den Krankentransport auf Eisenbahnen“ vorstellt.

Im Jahre 1925 schied Elisabeth (Edith) Köhler als Oberin aus und ging, im Alter von 65 Jahren, in Ruhestand. Ihre Nachfolgerinnen im Amt waren Dorothea Thomas (1925-1934), Elfriede Wernike (1934-1943), Ilse Jahnke (1943-1945), Elsbeth Zühlke (1945), Anna Friehe (1945-1956), Marta Lesser (1956-1962), Gertrud Dietrich (1962-1967) und Dorothea Mittag (1968-1972) und Margot Müller (1972-1990).

In den Berliner Adressbüchern lässt sich (1921-1925) „Oberin Elisabeth Köhler“ in der Turmstraße 21 (= Krankenhaus Moabit) und (1927-1937) „Oberin i[n] R[uhestand] Elisabeth Köhler“ in der Irmgardstraße 53 (Bezirk Zehlendorf, heute Bezirk Steglitz) nachweisen. Das Zehlendorfer Adressbuch von 1934 verzeichnet in der Irmgardstraße 53 als Eigentümer die Wohnungsfürsorge GmbH Berlin, wobei unter den insgesamt neun namentlich genannten Personen auch die „Oberin i. R. Elisabeth Koehler“ genannt wird. Während sich im letzten vor dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) herausgegebenen Berliner Adressbuch von 1938/39 kein entsprechender Eintrag findet, weist das erste (und einzige) nach dem Krieg herausgegebene Adressbuch von 1949 eine „Rentnerin Elisabeth Köhler“ aus, die in Potsdam-Babelsberg in der Althoffstraße 20 wohnte. Nach Auskunft des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten in Berlin war Elisabeth Köhler vor Kriegsbeginn zuletzt in Wilmersdorf (Hohenzollerndamm 90) gemeldet, von wo aus sie sich 1940 nach Ufastadt-Babelsberg abmeldete. Angaben über ihren weiteren Lebensweg fehlen. Die Überprüfung der personenbezogenen Sammlungen des ehemaligen Berlin Document Centers (BDC) und des NS-Archivs des Ministeriums für Staatssicherheit – beide im Bundesarchiv, Abteilung Berlin – führte zu keinem positiven Ergebnis, ebenso wie eine Recherche in der (nur lückenhaft überlieferten) historischen Berliner Einwohnermeldekartei (EMK) von 1875-1960. Da Elisabeth (Edith) Köhler in der seit Mai 1950 von der Stadtverwaltung Potsdam (einschließlich Babelsberg) geführten systematischen Meldekartei nicht nachweisbar ist, kann angenommen werden, dass sie zuvor – wahrscheinlich im neunzigsten Lebensjahr – im Frühjahr 1950 verstarb.


Literatur

Bezirksamt Tiergarten von Berlin, Abteilung Gesundheitswesen (Hrsg.): 1872-1972 Städtisches Krankenhaus Moabit. Festschrift zum 100-jährigen Bestehen. Mit Beiträgen von Manfred Stürzbecher [u.a.]. [Selbstverlag]. Berlin 1972, Seite 111.

Bundesarchiv, Postfach 450569, 12175 Berlin: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 17. November 2005.

Heimatverein Zehlendorf e.V. (1886) mit Museum und Archiv, Clayallee 355, 14169 Berlin: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 9. November 2005.

Köhler, Edith: Die Krankenwartung. In: Pfeiffer, L[udwig] (Hrsg.): Taschenbuch der Krankenpflege für Krankenpflegeschulen. Für Ärzte und für die Familie. Herausgegeben von R[obert] Eberle. Fünfte Auflage. Hermann Böhlaus Nachfolge. Weimar 1908, Seite 60-65. (Achte Auflage, 1916, Seite 77-83; Zwölfte Auflage 1929, Seite 84-89) (1. Auflage 1883).

Krankenhaus Moabit, Städtisch-Diakonisches Gesundheitszentrum, Personalabteilung, Turmstraße 21, 10559 Berlin-Tiergarten: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 25. November 2004.

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Zentrale Einwohnerangelegenheiten, Martin-Luther-Straße 105, 10825 Berlin: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 3. April 2006.

Landesarchiv Berlin, Eichborndamm 115-121, 13403 Berlin: Schriftliche Mitteilungen an den Verfasser vom 14. und 28. Februar 2005, 31. März 2005 und 18. Mai 2005.

Stadtverwaltung Potsdam, Fachbereich Ordnung und Sicherheit, Bereich Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, Arbeitsgruppe Stadtarchiv, Helene-Lange-Straße 14, 14431 Potsdam: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 27. April 2006.

Sticker, Anna: Agnes Karll. Die Reformerin der Krankenpflege. Aussaat. Wuppertal 1977, Seite 193-194.

Stürzbecher Manfred: 1872-1997. 125 Jahre Krankenhaus Moabit. Mit Beiträgen von Manfred Stürzbecher, Malte Bühring, Weert Flemmig [u.a.]. Weidler Buchverlag. Berlin 1997.

Stürzbecker, Dr. Dr. Manfred, Buggestraße 10 b, 12163 Berlin: Schriftliche Mitteilungen an den Verfasser vom 2. April 2005 und 30. Oktober 2005.

Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Verlag J. B. Metzler, Werastraße 21-23, 70182 Stuttgart: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 23. Februar und 13. April 2006.

Wittneben, Prof. Dr. Karin, Adolf-Ey-Straße 10 c, 30519 Hannover: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 26. November 2004.

Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Zentrum für Berlin-Studien, Postfach 610179, 10922 Berlin: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 27. April 2005.

Bildquelle: Stürzbecher Manfred: 1872-1997. 125 Jahre Krankenhaus Moabit. Mit Beiträgen von Manfred Stürzbecher, Malte Bühring, Weert Flemmig [u.a.]. Weidler Buchverlag. Berlin 1997, Seite 89.

KO?HLER, Elisabeth (Edith)

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 45

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=185

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