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Who was who in nursing history: CAMACHO, Franz
CAMACHO, Franz
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 71-72.
 

Biographie

Ein früher Vertreter der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott (1495-1550)  begegnet uns in der Person von Franz Camácho. Camácho, der „ein ganz getreues Abbild“ beziehungsweise „treue Nachfolger“ seines Ordensstifters gewesen sein soll, wurde 1630 in der spanischen Stadt Xeres della Frontiera (Erzbistum Seviglia) geboren und am 21. Mai in der Pfarrkirche des heiligen Dionysius getauft. Seine Eltern waren Lazarus Rodriguez Camácho und Maria de Vives, der Überlieferung nach ehrbare und fromme Bauern. Sobald er alt genug war, ging er zum Militär, wobei er sich schon im jugendlichen Alter von 16 bis 17 Jahren den Beinamen „der Tapfere“ erwarb.

Nach Vollendung seiner Dienstzeit durchreiste er viele Länder und Küsten Amerikas. Im Alter von 34 Jahren (1663) ließ er sich in Lima (der Hauptstadt von Peru) nieder, wo er drei Jahre lang das Amt eines Oberhaushofmeisters (Verwalter einer größeren Besitzung) ausübte. Angeregt durch Predigten von Franz von Castillo trat er am 2. Oktober 1663 – im 34. Lebensjahr – ins Kloster der Barmherzigen Brüder ein und legte 1664 die feierlichen Gelübde ab. Fortan sammelte er, 35 Jahre lang, von Ort zu Ort Almosen, „um durch diesen Akt reicher Bruderliebe den Kranken und allen Armen helfen zu können.“ Hierbei brachte er große Summen Geldes zusammen, mit welchen er – mit Zustimmung seiner Ordensoberen – in San Diego ein neues, äußerst geräumiges Hospital mit Kirche erbaute. Dort konnte er sich nun auch besser für die Pflege der Kranken sorgen.

Nach Südamerika waren die Hospitalbrüder unter Führung von Pater Francisco Lopez bereits an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert gekommen: 1596 nach Cartagena in Columbien, 1604 nach Mexiko (genannt Neuhispanien), 1606 über den Isthmus von Panama nach Peru und Chile. In Peru war ihr Ziel zunächst Lima, wo sie ein Hospital errichteten, das zugleich der Sitz des Provinzials, des Noviziats und der Ausbildung für den Krankendienst wurde. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts entstanden in Südamerika aus 39 bestehenden Hospitälern drei Ordensprovinzen: die Provinz Colombia mit Residenz in Panama, dann die Provinz Peru und Chile mit Residenz in Lima, sowie schließlich die Provinz Mexiko mit Residenz in der gleichnamigen Hauptstadt.

Franz Camácho soll seine Mitbrüder stets „zur vollkommensten Erfüllung aller Obliegenheiten ihres hl. Ordens“ ermutigt und allen mit seinem Beispiele vorangegangen sein, in dem er sich fortwährend im Hospital beschäftigte. „Waren die Kranken auch mit dem pestartigsten Fieber, mit den ekelhaftesten Wunden oder mit einem andern abstoßenden oder unausstehlichen Übel behaftet, so brauchte man nicht zu fragen, mit welchem Eifer, mit welcher Zuneigung und Hinopferung seiner selbst er selber persönlich sie pflegte und bediente bei Verabreichung der Heilmittel und Erquickung, sowie bei ihrer Reinigung, ohne sich jemals von Ekel, Überdruß oder Müdigkeit überwinden zu lassen. Deshalb wurde er auch wie sein hl. Ordensstifter der Vater der Armen, ‚die Hilfe der Kranken’ genannt.“

Abgezehrt infolge „fortwährender strenger Bußübungen und anstrengenden Arbeiten der Liebestätigkeit“ erkrankte Franz Camácho an „Wassersucht“, woran er schließlich am 23. Dezember 1698 im 69. Lebensjahr starb. Man sprach von ihm im ganzen Königreich Peru „als von einem vollkommenen und heiligen Manne, und dieser Ruf erweiterte sich beständig Tag für Tag über alle Teile des Landes.“ Er wurde allgemein als „Patron von Lima“ angesehen und von allen in ihren Nöten als sehr mächtiger Fürsprecher bei Gott angerufen. Im Jahre 1753 wurde ein Selig- beziehungsweise Heiligsprechungsprozess eingeleitet.

Franz Camácho wurde vor dem Kreuzaltare im Krankensaal seines Hospitals in San Diego beerdigt. Nachdem das Gebäude in Folge eines Eisenbahnbaues abgerissen werden musste, wurden seine sterblichen Überreste am 2. Februar 1850 zum Kloster der Dominikaner gebracht und im Innern deren Kapelle beigesetzt. Am 15. Mai 1874 wurden die leiblichen Überreste schließlich ins Innere des Oratoriums (Andachtsraum) übertragen.


Literatur

Gόmez, Juan Ciudad: Compendio de historia de la Orden Hospitaliaia de San Juan de Dios. Archivo Interprovincial. Granada 1963.

Gόmez, Juan Ciudad: Historia de la restauracion de la Orden Hospitalaia de San Juan de Dios en Espana. Archivo interprovincial. Granada 1968.

Monti, Domenico: Leben des ehrwürdigen Diener Gottes Franz Camacho, Professbruder des Ordens der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott. Übersetzt und neu bearbeitet von Gregor Schwab. Selbstverlag der Barmherzigen Brüder. Neuburg an der Donau 1908.

Schwab, Gregor (Hrsg.): Kurze Lebensgeschichten heiliger und verdienstvoller Männer aus dem Hospital-Ordens des heiligen Johannes von Gott. Autorisierte Übersetzung aus dem Italienischen mit Erweiterungen von Gregor Schwab. Gebrüder Geiselberger. Altötting 1931, Seite 25.

Strohmayer, Herenegild: Krankenpflegeschulen im Hospitalorden des hl. Johannes von Gott. Johann von Gott Verlag. München 1988.

Bildquelle: Domenico Monti: Leben des ehrwürdigen Diener Gottes Franz Camacho, Professbruder des Ordens der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott. Selbstverlag der Barmherzigen Brüder. Neuburg an der Donau 1908, Titelseite.

CAMACHO, Franz

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 71-72

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=155

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