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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: BRUNNER, Friedrich
BRUNNER, Friedrich
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 60-62.
 

Biographie

Die vierte schweizerische Diakonissenanstalt, die Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster in Zürich, verdankt ihre Entstehung 1858 einer Reihe von Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft, die unter dem Eindruck der Not in der zunehmenden Industrialisierung eine Stätte tätiger Nächstenliebe gründen wollten. Der Züricher Pfarrer Georg Rudolf Zimmermann hatte die Kaiserswerther-Gründung von Theodor Fliedner (1800-1864)  besucht und an der Jahresversammlung der Zürcher Evangelischen Gesellschaft 1856 den Vorschlag gemacht, auch für Zürich eine Diakonissenanstalt zu gründen. Das daraufhin gebildete Zürcher Komitee schickte zwei Töchter zur Ausbildung als Diakonissen in die von Christian Friedrich Spittler (1782-1867)  gegründete und von Katharina (Trinette) Bindschedler (1825-1879)  geleitete Diakonissenanstalt Riehen: Nanny Sieber (1827-1860), die erste Oberin im Neumünster, und die Pfarrerstochter Julie Kienast. Beide wurden dort eingesegnet und kamen 1858 zurück. Die erste aus der Neumünster-Schwesternschaft hervorgegangene Oberin war Margarete Bollinger (1846-1914) . Im Neumünster wurden bereits nach wenigen Jahren Neubauten erforderlich: 1866 ein zweites Haus, 1886 ein drittes, wobei Medizin und Chirurgie (mit eigenem Operationssaal) getrennt wurden. Deren Leitung als Chefarzt übernahm Dr. Friedrich Brunner.

Geboren am 1. April 1858 in der Kleinstadt Dießenhofen am Rhein (Kanton Thurgau / Schweiz) als Sohn eines Apothekers, hatte er das Gymnasium in Schaffhausen und Neuchâtel besucht und anschließend in der Schweiz (Zürich) und in Deutschland (Leipzig und Jena) Medizin studiert. Seine Assistentenzeit verbrachte er am Kantonspital Münsterlingen. Nach zweieinhalb Jahren, für damals eine lange Ausbildungszeit, ließ er sich als praktischer Arzt in Töß nieder. Bereits nach kurzer Zeit (1887) wurde er als Hausarzt an die Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster in Zürich berufen. In der Einrichtung befanden sich hauptsächlich chronisch Kranke und alte Leute. Hier war es ein Verdienst von Friedrich Brunner, dass aus der Anstalt mit der Zeit ein Spital im heutigen Sinne entstand, mit einer internen und einer chirurgischen Abteilung, deren Chef er bis 1925 blieb. Unter seiner Anleitung entstand auch 1903 der Neubau an der Heliosstraße mit hellen, zweckmäßig eingerichteten Operationsräumen.

Friedrich Brunner veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Beiträgen in der Deutschen Zeitschrift für Chirurgie und der Münchener Medizinischen Wochenschrift, in denen er vor allem Beobachtungen bei Actinumykose (Strahlenpilzerkrankungen), über Chirurgie des Magens, des Darms und der Gallenblase, und das Kropfproblem sowie eine Reihe von interessanten Beobachtungen an Einzelfällen verschiedener Art mitteilte. Mit besonderer Hingabe, und hier liegt sein Verdienst für die Krankenpflege, hat er sich auch stets der speziellen Aufgabe seines Hauses gewidmet, nämlich der Ausbildung der Diakonissen. Als Grundlage für seinen Unterricht schrieb er im Jahre 1901 einen „Grundriss der Krankenpflege“, der als „Leitfaden für den Unterricht in Diakonissenanstalten, Schwesternhäusern, Krankenpflegekursen“ diente. Die 149 Seiten starke Veröffentlichung, die im Züricher Verlag Schultess & Co erschien, fand weite Verbreitung und erlebte bis zum Jahr 1945 insgesamt 24 Auflagen, deren Umfang im Laufe der Zeit beträchtlich zugenommen hatte. Bereits 1904 kam die 2., verbesserte und vermehrte Auflage auf den Markt mit 201 Seiten, 1908 die 4. mit 244 Seiten, 1912 die 6. mit 250 Seiten, 1919 die 10. mit 284 Seiten, 1923 die 13. mit 296 Seiten, 1925 die 14. mit 299 Seiten, 1927 die 15. mit 316 Seiten, 1928 die 16. mit 320 Seiten, 1933 die 18. mit 324 Seiten, 1935 die 19. mit 334 Seiten, 1937 die 20. mit 358 Seiten und 1939 die 21. mit 363 Seiten, deren Umfang bis zur 24. Auflage (1945) unverändert blieb. Der „Leitfaden“ wurde jahrzehntelang auch in den Krankenpflegekursen benutzt, die der Schweizerische Samariterbund durchführte. Hier wurde es erst 1951 abgelöst, nachdem Dr. Eugen Koch (1899-1981)  das Buch „Die häusliche Krankenpflege“ vorgelegt hatte.

Nach 38 Jahren aufopfernder Tätigkeit überließ Friedrich Brunner seinen Posten jüngeren Kräften und trat in den verdienten Ruhestand. Nach einem langen, schönen Lebensabend starb am 16. August 1940 in der Diakonissenanstalt Neumünster in Zürich im 83. Lebensjahr.


Literatur

Baumgartner, Robert: Hundert Jahre Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster Zollikerberg-Zürich 1858-1958. Berichthaus. Zürich 1958.

Bericht über die Kranken- und Diakonissen-Anstalt der Evangelischen Gesellschaft in Neumünster. Ulrich. Zürich 1883-1939.

Borchert, August / Brunn, Walter von (Hrsg.): Deutscher Chirurgen-Kalender. Verzeichnis der deutschen Chirurgen und Orthopäden mit Biographien und bibliographischen Skizzen, der Direktoren der chirurgischen Universitätskliniken und der leitenden Ärzte der Chirurgischen Abteilung öffentlicher Krankenhäuser. Bearbeitet von Friedrich Michelsson. Barth. Leipzig 1926.

Brenner-Burckhardt, C.: Fünfzig Jahre unter der guten Hand Gottes 1858-1908. Die Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster-Zürich in ihrer geschichtlichen Entwicklung und gegenwärtigen Organisation. Im Auftrag der Direktion ihren Schwestern und ihren Freunden geschildert von C. Brenner-Burckhardt. Berichthaus. Zürich 1908.

Brunner, Friedrich: Grundriss der Krankenpflege. Leitfaden für den Unterricht in Diakonissenanstalten, Schwesternhäusern, Krankenpflegekursen. Schultess & Co. Zürich 1901 (24. Auflage 1945).

Dürig, Hans: (Hrsg.): 125 Jahre Dienst an Kranken. 50 Jahre Spital Neumünster in Zollikerberg. Berichthaus. Zürich 1983.

Heim, Urs F. A.: Leben für andere. Die Krankenpflege der Diakonissen und Ordensschwestern in der Schweiz. Schwabe & Co AG. Basel 1998, Seite 157-161.

Jahresbericht über die Kranken- und Diakonissen-Anstalt der Evangelischen Gesellschaft in Neumünster. Ulrich. Zürich 1859-1882.

Koch, Eugen: Die häusliche Krankenpflege. Schweizerischer Samariterbund. Olten 1951 (2. Auflage 1954, 3. Auflage 1962), Seite 9.

Schlatter, Dora: Barmherzige Kirche. Geschichte der Diakonissenhäuser in der Schweiz. BEG-Verlag. Bern 1944.

Schweizerische Industrie-Bibliothek, Departement Lexikon (Hrsg.): Biographisches Lexikon verstorbener Schweizer, Band 1. Buchdruckerei zum Hirzen AG Basel. Basel 1947, Seite 245.

Bildquelle: Schweizerische Industrie-Bibliothek, Departement Lexikon (Hrsg.): Biographisches Lexikon verstorbener Schweizer, Band 1. Basel 1947, Seite 245.

BRUNNER, Friedrich

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 60-62

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=151

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