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Who was who in nursing history: BECKER, Johannes
BECKER, Johannes
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 16-18.
 

Biographie

Der Caritasverband für die Stadt Düssel­dorf konnte im Jahre 2004 sein 100-jähri­ges Jubiläum feiern. Bis heute ist das Bild der Stadt Düsseldorf als soziale Stadt und bürgerschaftlich ge­staltetes Gemeinwe­sen durch die christ­lich motivierte ge­sellschaftspolitische Mitwirkung und aktive soziale Arbeit der Ca­ritas geprägt. Nachdem die von Josef Palmen als Generalsekretär geleistete Aufbauarbeit für den Düsseldorfer Caritasverband am 18. September 1916 mit seiner Ernennung zum Präses des Katholischen Gesellenvereins in Düsseldorf ein abruptes Ende gefunden hatte, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1917 Kaplan Johannes Becker zum Generalsekretär (Direktor) des Caritasverbandes Düsseldorf und Hilfsgeistlichen an der Pfarrkirche St. Andreas ernannt.

Wie bei seinem Vorgänger bleibt auch bei Johannes Becker dunkel, welche spezifische Qualifikation er mitbrachte, um das Amt des Generalsekretärs im örtlichen Caritasverband auszuüben. Am 27. Mai 1886 in Borbeck ge­boren, empfing er nach einem Studium der Theologie und dem Besuch des Priester­seminars am 19. Februar 1910 die Priester­weihe und wurde nach dreijähriger Tätigkeit in Düren am 28. Februar 1913 zum Kaplan an St. Peter in der Friedrichstadt ernannt. Bis zur Berufung als Generalsekretär war Johannes Becker in Düsseldorf über den Wirkungskreis seiner Pfarrgemeinde hinaus nur durch seine Mitarbeit beim „Düsseldorfer Kirchenblatt“ hervorgetreten, das von 1912 bis 1923 er­schien und zuletzt unter seiner Schriftleitung herausgegeben wurde.

Erste offizielle Amtshandlung des neuen Ge­neralsekretärs war die Zusammenstellung des Rechenschaftsberichtes für das zurück­liegende Jahr und seine Veröffentlichung, die bereits am 3. Januar 1917 durch das Düssel­dorfer Tagblatt erfolgte. Der vorgestellte Jah­resbericht endete mit dem Bemerken, das Caritassekretariat könne „mit dem Ergebnis [...] seiner Tätigkeit sehr zufrieden sein“, doch gelte es, „das einmal begonnene Werk immer mehr auszubauen, damit die hehre Aufgabe der Kirche, allen Jahrhunderten Botin der werktätigen Nächstenliebe zu sein, immer mehr Erfüllung findet.“ Hierzu bedürfe der Caritasverband „der Unterstützung vor allem der besser situierten Katholiken, die über Zeit und Geld verfügen, um nicht durch ihre Gaben, sondern vor allem auch durch ihre Person der Caritas zu helfen. Möge dieser Ruf“, so Johannes Becker weiter, „manche neue begeisterte Helfer und Helferinnen brin­gen; für jeden ist irgendwo in der Caritasar­beit noch ein Plätzchen zu eifrigem Mittun.“

Aufsehen weit über die Grenzen der Stadt Düsseldorf und des Deutschen Reiches hinaus erregte im Jahre 1926 die Ausstellung „Ge­sundheitspflege, Soziale Fürsorge und Lei­besübungen“ (Gesolei), die am 8. Mai auf dem Ausstellungsgelände in Golzheim eröff­net wurde und bis zum 17. Oktober 1926 dauerte. Ziel der Messe war es, „das gesund­heitsgeschädigte deutsche Volk“ nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) und der Wirt­schaftsrezension „für die Zukunft auszurüsten und für die Kraftanspannung des Neuaufbaus zu ertüchtigen.“ Obgleich Großausstellungen für die Stadt Düsseldorf nichts Ungewöhn­liches waren, bemerkt Johannes Becker zur Eröffnung treffend, die Gesolei sei eine Aus­stellung eigener Art. In seinem Beitrag „Ca­ritas und Gesolei“ schreibt er in der Ausgabe vom April / Mai der „Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekretariates“ treffend: „Während bisher die eine oder andere men­schliche Arbeit dargestellt wurde, hat die Ge­solei sich den Menschen selbst, in seinem Sein und Leben, in seiner Fürsorge für sich und andere, als Ausstellungsgegenstand ge­wählt.“

Der Düsseldorfer Caritasverband zeigte an­lässlich der Veranstaltung sein Wirken und Sorgen um die notleidende Menschheit durch eine Fülle photographischer Ansichten. Das Bild der offenen und geschlossenen Säug­lingsfürsorge verdeutlichte beispielsweise eine Ordensschwester, die ein Kind betreut. Die ambulante und stationäre Krankenpflege wurde durch einen barmherzigen Bruder dar­gestellt und durch Schwestern der einzelnen Orden. Man sah die Schwestern kniend im Gebet oder einzelne Arbeiten, die mit der Krankenpflege verknüpft sind, verrichten. Darstellungen mit der heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231)  und dem heili­gen Paul Vinzenz (1581-1660)  leiteten zur Armenpflege über.

Obwohl die Gesolei 1926 alle Kräfte des Caritassekretariats in Anspruch nah, ver­mochte es der Düsseldorfer Caritasverband, noch im gleichen Jahr sein Fürsorgeangebot für die Stadt zu erweitern. Völliges Neuland betrat der Verband dabei, als „eine angestellte Dame des Caritas-Sekretariats“ bereits am 1. Februar 1926 begann, in katholischen An­stalten soziale Krankenfürsorge zu betreiben. Johannes Becker berichtete hierüber in den „Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sek­retariates“ unter der Überschrift „Neuland der Caritas“. Hilfsangebote dieser Art hatte es in Düsseldorf bisher nur in den Städtischen Krankenanstalten, nicht aber in konfessionel­len Hospitälern gegeben. Das Desiderat wurde behoben, als Ende Januar 1926 eine Konferenz der Oberinnen katholischer Kran­kenhäuser unter Federführung von Hans Carls (1886-1952)  – den Begründer der katholischen Krankenhausfürsorge in Deutschland – den Beschluss fasste, auf Dauer eine soziale Krankenhausfürsorge ein­zuführen.

Bereits 1914 hatte Alice Salomon (1872-1948)  das Komitee Soziale Kranken­hausfürsorge gegründet und damit große Aufmerksamkeit für die Idee der Kranken­haussozialarbeit erreicht. 1918 hatten Hedwig Landsberg (1879-1967)  und Anna Tüll­mann (1875-1958) mit dem Aufbau des Vereins Soziale Krankenhausfürsorge der Berliner Universitätskliniken außerhalb der Charité e.V. (Verein SKF) begonnen. Wäh­rend der Gesolei war es am 18. September 1926 zu einem ersten Zusammentreffen deutscher Sozialarbeiterinnen gekommen, die zugleich die „Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus“ gründeten.

Die Bedeutung der sozialen Krankenhausfür­sorge stand auch für Johannes Becker außer Frage. In seinem bereits erwähnten Beitrag „Neuland der Caritas“ schrieb er hierzu: „Ge­genüber dem Krankenhaus der alten Zeit, das nicht selten neben den Kranken auch sonstige Hilfsbedürftige, wie Altersschwache, auf­nahm, ist das moderne Krankenhaus eine technische Heilanstalt geworden. Die bange Furcht vor ihm ist geschwunden; die meisten Menschen, die einer ernsten Operation sich unterziehen müssen, begrüßen geradezu die Aufnahme in ein Krankenhaus. Mit allen hygienischen Erfordernissen ausgerüstet, um­geben von ausgebildeten und edler Men­schenliebe getragenen Pflegekräften, macht das heutige Krankenhaus seinen Insassen den Aufenthalt lieb und angenehm. Und doch ist die Sorge vom Krankenbett nicht zu bannen! Die kranke Mutter gedenkt sorgenvoll der daheim befindlichen Kinder, denen Pflege und Aufsicht fehlt. Der kranke Vater macht sich Sorge um den Ausfall des Verdienstes. Der alleinstehende junge Mann geht, weil die Krankenhausbehandlung zu lang dauert, seiner mühsam errungenen Stellung verlustig. Dazu kommen Sorgen und Leiden seelischer Art, die kaum ausgesprochen werden kön­nen.“ Aufgabe der Laienhelfer im sozialen Krankenfürsorgedienst sollte es daher – nach Johannes Becker – sein, bei allen Nöten hel­fend einzugreifen. Ziel sei es, eine vermit­telnde Tätigkeit zu entfalten zwischen Kran­ken und deren Familien, zwischen Kranken und öffentlichen Stellen, zwischen Kranken und Krankenhaus.

Um die Rechte des Patienten zu vertreten, galt es darüber hinaus, wie Becker in einem weite­ren, im April 1928 veröffentlichten Beitrag „Ein Neuland der Düsseldorfer Caritas. Die soziale Krankenhausfürsorge in Düsseldorf“ schreibt, den Kranken in seinen Ansprüchen an kommunale und staatliche Einrichtungen wie beispielsweise Krankenkassen, Altersver­sicherungen, Wohlfahrtsämtern oder Gerich­ten zu unterstützen. Schließlich sollte begrün­deten Patientenbeschwerden gegen die Kran­kenhäuser nachgegangen, aber auch der Tag der Entlassung durch Vermittlung von Arbeit oder Besorgung einer Unterkunft vorbereitet werden.

Die vom Caritasverband Düsseldorf in den katholischen Anstalten der Stadt versuchs­weise auf vier Monate eingerichtete amtliche Krankenhausfürsorge bewährte sich erfolg­reich, so dass am 1. Januar 1927, wie Johan­nes Becker in seinem im Dezember 1926 publizierten Beitrag „Soziale Krankenhaus­fürsorge in Düsseldorf“ mitteilte, „mit Ein­stellung einer amtlichen Fürsorgerin durch das Caritas-Sekretariat die Arbeit in den katholischen Krankenhäusern erneut und um­fassend aufgenommen werden“ konnte.

Da der Wiederaufbau der Caritasarbeit in Düsseldorf nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) die Kräfte von Johannes Becker überforderte, wurde ihm mit Werner Drehsen (1907-1985) ein „Koadjutor“ zur Seite ge­stellt, der ihn vor allem in „überörtlichen diö­zesanen Aufgaben im Bereich der Stadt Düs­seldorf und im Regierungsbezirk Düsseldorf“ entlasten sollte. Am 31. Dezember 1952 trat Johannes Becker in den Ruhestand und zog sich in das Altenheim Hubertusstift – der ältesten Sozialeinrichtung Düsseldorfs – zu­rück, wo er bis zu seinem Tod am 4. Januar 1958 als Hausgeistlicher wirkte. Die Rheini­sche Post hob in ihrem Nachruf über Johannes Becker hervor: „Er hat einmal geschrieben: ‚Caritas-Arbeit ist eine religiöse Arbeit, eine mit religiöser Gesinnung, das heißt mit reli­giösen Beweggründen und Zielen geleistete Arbeit.’ Danach hat er stets gehandelt. Nicht nur mit seiner ganzen Energie, mit seinem Ganzen Herzen hat er diese Arbeit getan, die für ihn Dienst am Nächsten, vor allem aber Dienst an Gott war. Sein Wirken und seine Persönlichkeit wird für alle, die ihn kannten, vorbildlich bleiben.“

Seine letzte Ruhestätte fand Johannes Becker auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof, wo sich noch heute sein Grab (Feld 70) befindet.


Literatur

Becker, Johannes: Neuland der Caritas. In: Mit­teilungen des Katholischen Caritas-Sekretaria­tes, Düsseldorf, 2. Jg., Nr. 2 (Februar 1926), Seite 2-5.

Becker, Johannes: Caritas und Gesolei. In: Mit­teilungen des Katholischen Caritas-Sekretaria­tes, Düsseldorf, 2. Jg., Nr. 4/5 (April / Mai 1926), Seite 1-4.

Becker, Johannes: Aus dem caritativen Leben Düsseldorfs. In: Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekretariates, Düsseldorf, 2. Jg., Nr. 4/5 (April / Mai 1926), Seite 4-5.

Becker, Johannes: Zum Schlusse der Gesolei. In: Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekreta­riates, Düsseldorf, 2. Jg., Nr. 10 (Oktober 1926), Seite 1-3.

Becker, Johannes: Soziale Krankenhausfürsorge in Düsseldorf. In: Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekretariates, Düsseldorf, 2. Jg., Nr. 12 (Dezember 1926), Seite 2-4.

Becker, Johannes: Aus der Essener Caritasarbeit. In: Caritas. Caritaswissenschaft und Caritasar­beit, 31. Jg., 1926, Heft 16.

Becker, Johannes: Unsere Krankenhausfürsorge im ersten Halbjahr 1927. In: Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekretariates, Düsseldorf, 3. Jg., Nr. 7/8 (Juli / August 1927), Seite 56-58.

Becker, Johannes: Ein Neuland der Düsseldorfer Caritas. Die soziale Krankenhausfürsorge in Düsseldorf. In: Mitteilungen des Katholischen Caritas-Sekretariates, Düsseldorf, 4. Jg., Nr. 4 (April 1928), Seite 25-32.

Becker, Johannes: Mitternachtshilfe der katholi­schen Fürsorgevereine Kölns. In: Caritas. Zeit­schrift für Caritaswissenschaft und Caritasarbeit, 38. Jg., 1933, Seite 245-251.

Becker, Johannes: Aus der Arbeit der katholi­schen Müttererholungsfürsorge in der Rheinpro­vinz. In: Caritas. Caritaswissenschaft und Cari­tasarbeit, 39. Jg., 1934, Seite 320-322.

Brzosa, Ulrich: 100 Jahre Caritasverband für die Stadt Düsseldorf. Die Geschichte der Caritas in Düsseldorf von den Anfängen bis zur Gegenwart (1904-2004). Herausgegeben vom Caritasver­band für die Stadt Düsseldorf e. V., Böhlau Ver­lag. Köln / Weimar / Wien 2004, Seite 401-402, Seite 494-496, Seite 719-720 und Seite 1084-1086.

[Ohne Verfasser] Caritasdirektor Becker zum Ab­schied. In: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, 8. Jg., Nr. 5 vom 1. Februar 1953, Seite 80.

Bildquelle: Brzosa, Ulrich: 100 Jahre Caritasver­band für die Stadt Düsseldorf. Böhlau Verlag. Köln / Weimar / Wien 2004, Seite 938 (Abb. 129d).

BECKER, Johannes

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 16-18

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=6

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